Protonenpumpenhemmer: ein zweischneidiges Schwert bei Sodbrennen


Wer sich beim Arzt über Sodbrennen beschwert, der bekommt meist Protonenpumpenhemmer (PPI) verschrieben.

Es handelt sich um eine Gruppe von Medikamenten, welche die Säureproduktion im Magen stark reduzieren. Umgangssprachlich werden sie Säureblocker oder Magenschutz genannt. Beispiele für PPI sind Omeprazol, Pantoprazol (Pantozol) und Esomeprazol (Nexium).

Zwar sind Protonenpumpenhemmer bei Sodbrennen und Speiseröhrenentzündung kurzfristig extrem effektiv.

Auf mittlere und lange Sicht können PPI Refluxsymptome jedoch verstärken. Zudem können PPI neue Verdauungsprobleme verursachen, die schwierig zu behandeln sind.


Schnelle Verbesserung akuter Symptome

Da sie die Protonenpumpen im Magen blockieren, werden sie Protonenpumpenhemmer genannt. Ohne diese Pumpen gelangt keine Säure in den Magen.

PPI reduzieren die Säure im Reflux drastisch – theoretisch um bis zu 99 %.  Da die Protonenpumpen konstant nachproduziert werden, erholt die Säureproduktion sich jedoch schnell. Im Durchschnitt kann man über den Tag hinweg eher von 60 – 80 % Reduzierung der Magensäure ausgehen.

Die Therapie mit PPI ist daher die mit Abstand wirkungsvollste Maßnahme zur Reduktion der Säureproduktion.

Die geringere Menge an Magensäure im Reflux bedeutet, dass die Speiseröhre weniger gereizt wird. Speiseröhrenentzündungen gehen zurück. Auf diese Weise kann sie später wieder Reflux standhalten, solange du dafür sorgst, dass er auf ein normales Maß zurückgeht. Sodbrennen wird reduziert oder verschwindet komplett.


Protonenpumpenhemmer sind ein Milliardengeschäft

Magensäurehemmer sind ein extrem lukratives Geschäft. Ihr weltweiter Umsatz wird auf 13 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Der erste Protonenpumpenhemmer auf dem Markt war Omeprazol. Als jedoch der Patentschutz auslief, wurden neue PPI mit dem gleichen säurehemmenden Effekt, aber leicht veränderter chemischer Struktur, entwickelt. So konnten Pharmaunternehmen erneut Patente anmelden und die neuen Wirkstoffe teuer vermarkten.

Bis heute wird der Sinn der neuen Wirkstoffe unter Experten heiß diskutiert. Zwar hemmen einige neue Stoffe die Säure etwas besser als das erste PPI, Omeprazol. Ob das aber tatsächlich zu einer schnelleren Heilung führ, dazu liefern Studien unterschiedliche Meinungen. Viele dieser Studien sind von Pharmaunternehmen gesponsert.[1][2]

Aufgrund der zweifelhaften Wirkungsverbesserung der neuen PPI wird kontrovers diskutiert, inwiefern der hohe Verkaufspreis gerechtfertigt ist. PPI mit ausgelaufenem Patentschutz sind weitaus günstiger, da viele Generika auf dem Markt sind.

Trotzdem werden die neueren Protonenpumpenhemmer aggressiv vermarktet, da sie so lukrativ sind. Generell werden die neueren Stoffe mehr aufgrund des Marketings verschrieben, als aufgrund ihres Nutzens.

Unten findest du eine Übersicht der am meisten eingesetzten Magensäurehemmer. Der generische Name des Wirkstoffs steht am Anfang. PPI lassen sich am „-prazol“ am Ende erkennen.  An zweiter Stelle steht jeweils einer der bekannten Markennamen, unter dem der Wirkstoff verkauft wird.

  • Pantoprazol – Pantozol
  • Esomeprazol – Nexium
  • Lansoprazol – Agopton
  • Rabeprazol – Pariet
  • Omeprazol

Bei Omeprazol habe ich keine Marke angeben. Aufgrund der vielen Generika gibt es für Omeprazol keine herausstechenden Marken in Deutschland mehr.


Säurehemmer funktionieren nicht ewig

Wie oben geschrieben, stoppen Protonenpumpenhemmer nicht die gesamte Säureproduktion, sondern reduzieren sie nur.

Nur die Magensäureblocker zu nehmen, reicht daher bei Sodbrennen nicht. Du musst den Reflux selbst verhindern. Es darf nicht mehr übermäßig viel Magensaft in die Speiseröhre gelangen. Andernfalls werden deine Schleimhäute weiter geschädigt, wenn auch langsamer.  Das geht solange weiter, bis das Sodbrennen wieder durchbricht. Das kann Monate bis Jahre dauern. Ist es jedoch so weit, so helfen auch Säureblocker nicht mehr weiter, da es ein Limit gibt, wie weit du die die Säureproduktion mit Medikamenten reduzieren kannst.

Daher ist es essentiell, dass du PPI nur gegen akute Symptome verwendest und mit einer Ernährungs- und Verhaltensänderung kombinierst. Ist der Reflux ausreichend reduziert und die Speiseröhre hatte ein paar Wochen bis wenige Monate zur Erholung Zeit, so solltest du die PPI wieder ausschleichen.


Nebenwirkungen: PPI können Reflux verstärken

Sodbrennen-Medikamente wirken sich zudem negativ auf die Verdauung aus. Sie wird langsamer, da weniger Säure im Magen ist. Das bedeutet, dass mehr Zeit für Reflux da ist. Die Speiseröhre wird öfter und über einen längeren Zeitraum in Magensaft gebadet.

Zudem brauchen wir Magensäure, um Nahrung zu desinfizieren. Haben wir weniger Magensäure, so steigt das Risiko für akute und chronische Infektionen in Magen und Darm, welche Reflux verschlimmern können.

Zuletzt brauchen wir Magensäure, um Mineralien und Vitamine aufnehmen zu können. Je länger du Säureblocker anwendest, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für Defizite, welche Reflux und andere Probleme auslösen können.


Säureblocker sicher absetzen

Hast du dich dazu entschieden, die PPI abzusetzen, so solltest du wissen, dass der Prozess gar nicht so einfach ist.

Wenn du die PPI wieder absetzt, so ist die Säureproduktion für eine Zeit lang stärker als zuvor. Das nennt sich Rebound-Effekt. Durch den Säureüberschuss werden das Sodbrennen und der Reflux für einige Zeit verstärkt.

Diese Reboundsymptome sind der Grund, warum Magensäureblocker süchtig machen. Du musst einige Zeit stärkere Symptome ertragen, um von ihnen herunterzukommen.


PPI müssen nach der Behandlung ausgeschlichen werden

Der Reboundeffekt ist umso stärker und länger andauernd, je länger du die Säureblocker angewendet hast. Eine Daumenregel ist, dass man ab einer PPI-Therapie von 3 - 4 Wochen nicht abrupt absetzen, sondern ausschleichen sollte, um die Reboundsymptome abzufedern.

Es kann Wochen bis Monate dauern, bis du Protonenpumpenhemmer sicher abgesetzt hast. Je länger der Zeitraum der Einnahme war, umso länger dauert das Absetzen.

Tabletten nicht durchbrechen

Beim Reduzieren der Dosis musst du bedenken, dass du die PPI-Tabletten nicht durchbrechen darfst, um die Dosis zu verringern, denn sie haben eine Beschichtung, welche sie vor der Magensäure schützt. Paradoxerweise halten die Wirkstoffe, welche die Säureproduktion drosseln, selbst keine Säure aus.

Daher muss die Tablette den Magen unversehrt durchlaufen und darf sich erst im Darm auflösen. Entsprechend musst du Tabletten in der richtigen Wirkstärke für das Ausschleichen kaufen. Es gibt jedoch auch PPI-Kapseln mit Kügelchen, beispielsweise von Nexium. Bei diesen lässt sich die Dosis verringern, indem du die Kapsel öffnest und nur einen Teil der Kügelchen nimmst, da sie jeweils eine eigene Beschichtung haben.


Das Absetzen kann die Symptome verstärken

Selbst vorher gesunde Personen können nach dem Absetzen von Protonenpumpenhemmern Sodbrennen bekommen, da auch bei ihnen die Säureproduktion angekurbelt wird.[3]

Das Ausschleichen hilft dabei, die Belastung der Speiseröhre zu verringern. Sie hält eine leichte Säurebelastung über längere Zeit besser aus, als eine kürzere heftigere Phase. Augen zu und durch (wie z.B. beim schnellen Abziehen eines Pflasters) ist beim Absetzen der PPI die falsche Maßnahme.

Während dem Ausschleichen können H2-Rezeptorblocker (z.B. Ranitidine) genutzt werden. Diese Medikamente gegen Sodbrennen verringern ebenfalls die Magensäure, jedoch weniger stark. Zudem haben sie nur einen minimalen Reboundeffekt. Man kann daher schrittweise die H2-Blocker gegen die PPI tauschen. Zuletzt schleichst du dann noch die H2-Blocker aus.

Für kurzes, akutes Sodbrennen während dem Absetzen kannst du Antazida verwenden. Das sind alkalische (basische) Mischungen, welche Säure neutralisieren. Sie helfen direkt nach dem Schlucken, eignen sich jedoch nicht für den Dauereinsatz. Auch das Hausmittel Natron kann man verwenden, da es ebenfalls Säure neutralisiert. Natron ist ohnehin in vielen Antazida aus der Apotheke enthalten.


Der Absetzplan ist individuell

Das Absetzen muss individuell erfolgen, je nachdem, wie lange du die Protonenpumpenhemmer genommen hast und ob du während dem Ausschleichen Symptome bekommst.

Ich hatte beispielsweise 3 Monate PPI genommen - genauer gesagt 20 mg Esomeprazol morgens und 20 mg abends. Anstatt einer Reduzierung der Symptome bekam ich ironischerweise durch die PPI Sodbrennen. Vermutlich haben die PPI meine Verdauung komplett ins Chaos gestürzt, wodurch ich mehr Reflux hatte.

Daher hatte ich mich entschieden, PPI abzusetzen. Dazu habe ich die Dosis jede Woche um 10 mg reduziert, d.h. ich habe circa einen Monat zum Absetzen gebraucht. Zwischendurch, als ich auf 20 mg war, habe ich deutlich stärkere Symptome bekommen. Mit Antazida konnte ich die akuten Symptome jedoch beseitigen.


Verbesserung der Ernährung ist wichtiger als Medikamente gegen Sodbrennen

Die meisten Experten sehen eine Verbesserung der Ernährungs- und Lebensweise als wichtigste Maßnahme bei Reflux, da sie auf Dauer am meisten bringt.

Das Ziel ist, einen korrekt funktionierenden Verdauungsapparat herzustellen.

Magensäurehemmer verschlechtern die Verdauung eher.


Ärzte sind keine Ernährungsberater

Das ist den wenigstens Menschen bewusst.

Das Medizinstudium enthält minimale Inhalte zum Thema Ernährung. Die Schulmedizin baut vor allem auf Therapie mit Medikamenten und Operationen auf. Daher werden Patienten unzureichend über Möglichkeiten der Ernährungstherapie beraten.

Selbst wenn Ärzte sich selbst fortbilden - im Praxisalltag kommen auf jeden Arzt so viele Patienten, dass keine Zeit für eine ausführliche Beratung bleibt. Die Analyse der individuellen Ernährung und eine umfangreiche Beratung kosten sehr viel Zeit. Stattdessen zücken Ärzte lieber den Rezeptblock und verschreiben ein Medikament gegen Sodbrennen – denn das geht schneller.

Doch das ist problematisch. Denn eine Antirefluxdiät hat weitaus bessere Erfolgsquoten als jegliche Säureblocker, und zwar ohne die Nebeneffekte!

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