Leitfaden: Symptome bei stillem Reflux

Letzte Aktualisierung:
7. Februar 2024

Ein Mann mit einem Megaphon, dem die Stimme ausgeht

Hast du manchmal unklare Beschwerden und fragst dich, ob es stiller Reflux sein könnte? Oft haben Personen die Symptome über lange Zeit hinweg, bevor sie korrekt diagnostiziert werden.

In diesem Artikel decken wir die wichtigsten Symptome auf, die auf stillen Reflux hindeuten. Lerne, die Signale deines Körpers richtig zu interpretieren.

Zusammenfassung

  • Symptome: Heiserkeit, Räusperzwang, Schleimbildung im Hals, chronischer Husten, Atembeschwerden und mehr.
  • Entwicklung: meist schleichender Beginn über längeren Zeitraum.
  • Diagnoseschwierigkeit: Symptome ähneln anderen Krankheiten, keine eindeutigen Anzeichen wie bei GERD.
  • Visuelle Anzeichen: meist nicht eindeutig, subjektive Bewertung durch Ärzte.
  • Behandlung: Verschiedene Optionen, detailliert in separatem Artikel.
  • RSI-Test: Online verfügbar, misst Ausprägung der Symptome.

Hauptsymptome bei stillem Reflux

  • Heiserkeit oder andere Probleme mit der Stimme
  • Räusperzwang
  • Übermäßige Schleimbildung im Hals
  • Schleim, der aus der Nase im Rachen herunterläuft (Postnasales Drip Syndom)
  • Chronischer Husten, bei manchen Betroffenen besonders nach dem Essen oder nach dem Hinlegen

Weitere Häufige Beschwerden

  • Globussyndrom (Gefühl eines Kloß im Hals)
  • Atembeschwerden (kann Symptomen von Asthma ähneln)
  • Schluckbeschwerden

Seltenere Anzeichen für stillen Reflux

Stiller Reflux Onlinetest RSI
Der kostenlose Onlinetest fragt die Ausprägung der wichtigsten Anzeichen für Stillen Reflux ab

Die aufgelisteten Symptome basieren auf Studien zum laryngopharyngealen Reflux, dem medizinischen Ausdruck für stillen Reflux. Die Studien liefern teils abweichende Einschätzungen zu den häufigeren und weniger häufigen Symptomen. Ich habe jedoch versucht, den allgemeinen Konsens wiederzugeben.

Wie schreitet die Symptomatik bei stillem Reflux mit der Zeit voran?

Die Entwicklung der Symptome bei stillem Reflux ist in aller Regel schleichend.

Selten haben Personen alle möglichen Zeichen eines stillen Reflux, erst recht nicht in der gleichen Ausprägung. In vielen Fällen haben Personen wenige, aber prägnante Hauptsymptome, die ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können.

Für Menschen, deren Beruf eine klare und kräftige Stimme erfordert, wie etwa Lehrer, Sänger, Verkaufsleute, oder sonstige Berufssprecher, können die Stimme betreffende Anzeichen von stillem Reflux besonders belastend sein.

Eine Aufstellung der verschiedenen Teile der oberen Atemwege, welche stiller Reflux unter anderem betreffen kann
Der Kehlkopf, welcher die Stimmlippen beinhaltet, befindet sich sehr nahe am Ausgang der Speiseröhre. Dadurch kann selbst leichter stiller Reflux für Berufssprecher belastend sein.

Doch wenn keine Therapie erfolgt, können mit der Zeit weitere Begleiterscheinungen hinzukommen. Anfängliche Stimmprobleme und leichtes Räuspern können über die Zeit zu chronischem Husten, Halsschmerzen, und anderen Folgeproblemen führen.

Gleichermaßen gilt umgekehrt: Wer zunächst an Husten leidet, bei dem können mit der Zeit Atembeschwerden und Stimmprobleme hinzukommen.

Es ist sinnvoll, das Fortschreiten der Symptomatik möglichst frühzeitig unter Kontrolle zu bringen.

Lässt sich stiller Reflux einfach anhand der Beschwerden erkennen?

Nein.

Die Feststellung von stillem Reflux kann kompliziert sein, da es keine klaren Anzeichen wie das charakteristische Sodbrennen bei gastroösophagealem Reflux (GERD) gibt. Die Beschwerden des stillen Refluxes, etwa Heiserkeit, anhaltender Husten oder das Gefühl eines Klumpens im Hals, treten auch bei zahlreichen anderen Gesundheitsproblemen auf. Atemwegserkrankungen, Allergien oder Halsinfektionen können ähnliche Symptome hervorrufen.

Das erschwert es Ärzten, stillen Reflux von anderen Zuständen zu unterscheiden. Zudem kann die Überschneidung der Symptome mit anderen Krankheiten auch für die Betroffenen verwirrend sein. Wenn Betroffenen einmal gesagt wird, dass ihre Symptome von einer Pollenallergie kommen, so suchen sie in der Regel keine Zweitmeinung. Das kann die Behandlung des stillen Reflux weiter verschleppen.

Ich bekomme oft per E-Mail Erfahrungsberichte von Betroffenen geteilt, welche jahrelang durch ihren Reflux im Privatleben und Beruf belastet worden, bis sie endlich eine Diagnose und Hilfe für die Symptome erhalten haben.

Kann der Arzt visuelle Anzeichen für stillen Reflux sehen?

Basierend auf Zuschriften von Lesern sehe ich manchmal die Annahme, dass der HNO zweifelsfrei einen stillen Reflux rein auf Basis der optischen Anzeichen diagnostizieren kann. Also indem er eine Kehlkopfspiegelung durchführt und nach Zeichen von Reflux sucht, wie Entzündungen und Rötungen.

Das ist nicht der Fall. Optische Anzeichen können dem Arzt bei der Diagnose helfen, sind aber nicht dazu in der Lage, stillen Reflux zuverlässig zu diagnostizieren, oder auszuschließen.

Dafür gibt es zwei Gründe:

1) Uneinigkeit, welche Anzeichen stillem Reflux zugerechnet werden sollen

Ein oft verwendetes Bewertungssystem ist der sogenannte Reflux Finding Score, der verschiedene sichtbare Anzeichen von stillem Reflux bewertet.

endoskopisch Aufgenommene Bilder zweier Kehlköpfe. Ein Kehlkopf hat deutliche Spuren von Stillem Reflux, der andere nicht.
Bilder aus zwei Kehlkopfspiegelungen.
Links (A): deutliche stiller Reflux Symptome
Rechts (B): kein Stiller Reflux

Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat allerdings herausgefunden, dass die Einschätzung von sichtbaren stiller Reflux Symptomen sehr subjektiv sein kann. Dem ein und denselben Patienten kann von einem Arzt stiller Reflux diagnostiziert werden, während für einen Doktor in einer anderen Praxis keine Spuren einer Refluxerkrankung auffindbar sind.

2) Unterschied zwischen Symptombelastung und visuellen Anzeichen

Die Intensität, mit der Menschen die Symptome von stillem Reflux wahrnehmen, kann stark variieren.

Einige Personen reagieren sehr sensibel, selbst auf minimale Mengen an Reflux. Bei diesen Personen kann es vorkommen, dass der Arzt keine sichtbaren Refluxspuren feststellen kann, selbst wenn der Reflux die Ursache der Symptome ist.

Wie erfolgt die Behandlung von stillem Reflux?

Es gibt verschiedene Optionen, wie man stillen Reflux behandeln kann. Ich empfehle dir, meinen separaten Artikel zur Therapie von stillem Reflux zu lesen.

Der Reflux-Symptom-Index (RSI) Onlinetest

Studien nutzen meist den Reflux-Symptom-Index, um zu messen, wie ausgeprägt die Symptomatik von Patienten ist. Der RSI-Test fragt die typischen stiller Reflux Symptome ab und ermittelt einen Symptomwert.

Auch in Arztpraxen wird der RSI-Test oftmals Patienten als Fragebogen gegeben, um einen schnellen Überblick über die Symptomatik zu bekommen.

Bist du unsicher, ob deine Symptome durch stillen Reflux verursacht werden?

Du kannst den RSI-Test hier kostenlos auf Refluxgate durchführen, um einen besseren Eindruck zu deinen Symptomen zu bekommen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, eine vollständige Rückbildung der Symptome ist bei konsequenter Therapie zu erwarten. Mehr dazu auch in meinem Leitfaden zur Therapie bei stillem Reflux.

Ja, das ist ein sehr deutliches Zeichen für stillen Reflux.

In Zuschriften von Lesern sehe ich, dass manche Personen mit Refluxhusten und Atembeschwerden einen Zusammenhang mit den Mahlzeiten.

Umgekehrt gilt aber nicht, dass ein fehlender deutlicher zeitlicher Zusammenhang zwischen Essen und Symptomen ein Indikator gegen stillen Reflux als Ursache wäre. Die meisten Personen reagieren nicht sofort nach dem Essen auf die Reizungen durch den stillen Reflux.

Das kommt auf den Typ an.

Manche Personen haben primär Reflux in aufrechter Position.

Andere Betroffene leiden eher an Reflux in liegender Position, was nächtlichen Reflux zum Hauptproblem macht. Generell ist nächtlicher Reflux weitaus problematischer, da der Körper nachts weniger Speichel produziert, welcher eine natürliche Refluxbarriere darstellt. Stiller Reflux, selbst schwacher Reflux, richtet dadurch nachts mehr Schaden an, als die gleiche Menge an Reflux es tagsüber tun würde.

Zudem kann die Magensäure in liegender Position besonders einfach zurückfließen, da in aufrechter Position die Schwerkraft hilft, den Magensaft zurückzuhalten. Im Liefen fehlt dieser Vorteil.

Jedoch lässt sich nächtlicher stiller Reflux hervorragend durch einfache Maßnahmen reduzieren, wie das Vermeiden später Mahlzeiten sowie das Schlafen in erhöhter Position, beispielsweise mittels Blöcken unter den Posten am Kopfende des Bettes.

Stiller Reflux kann vermutlich die Schlafqualität verringern, was indirekt Müdigkeit verursachen kann.

Eine wissenschaftliche Arbeit, welche sich bisher mit dem Thema befassten, untersuchte den Zusammenhang zwischen Müdigkeit und gastroösophagealer Refluxerkrankung. Die Studie hat herausgefunden, dass Refluxkrankheit und Müdigkeit sich gegenseitig bedingen können. Reflux kann den Schlaf unterbrechen, beispielsweise, wenn Betroffene durch Sodbrennen aufgeweckt werden. Umgekehrt kann Müdigkeit Stress verursachen, was wiederum Reflux verstärken kann.

Ich halte es für eine nahe liegende Vermutung, dass auch stiller Reflux gleichermaßen eine Auswirkung auf Schlaf und Müdigkeit haben können, auch wenn es dafür bisher keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Ja, auf jeden Fall. Stiller Reflux ist im Prinzip einfach eine Reizung der Schleimhaut. Wenn du bereits an Allergien leidest, so sind die Atemwege schon in gereiztem Zustand und reagieren entsprechend empfindlicher auf zusätzliche Reizungen.

Das kann umgekehrt auch den Eindruck erwecken, dass eine Pollenallergie stärker ist, als sie eigentlich ist, da ein Teil der Beschwerden auf stillen Reflux zurückgehen könnten.

Diese Symptome können mit stillem Reflux zusammenhängen, haben aber in der Regel eine zusätzliche neuropathische Komponente. Das bedeutet, dass die Nerven des betroffenen Gewebes sensibler auf Reize reagieren, aufgrund einer Schädigung in der Vergangenheit. Häufig spüren die Personen Zungenbrennen. Grundsätzlich können aber auch andere Bereiche im Hals und Rachenraum von Brennen und Schmerzen betroffen sein.

Stiller Reflux wird von diesen hypersensiblen Personen weitaus intensiver wahrgenommen als normalerweise. Selbst sehr geringe Mengen an Reflux, welche noch als “normal” und nicht krankhaft diagnostiziert werden würden, können diesen Personen Beschwerden bereiten.

Die Symptome im Artikel sind nur die typischsten Symptome.

Grundsätzlich kann Stiller Reflux in allen Bereichen Entzündungen verursachen, in die er gelangt. Entzündungen können sich auf viele Weisen bemerkbar machen, nicht nur die oben genannten. Beispielsweise wurde das Magenzym Pepsin bei Patienten mit Reflux sogar in den Augen nachgewiesen, da die Augen mit der Nase verbunden sind. Es besteht der Verdacht, dass chronisch gereizte und trockene Augen mit Stillem Reflux in Verbindung stehen könnten.

Über den Autor

Gerrit Sonnabend

Gerrits Sonnabends beruflicher Hintergrund ist in der qualitativen Forschung und Data-Science. Er hatte selbst starken Reflux. Hier kannst du mehr zu Gerrit erfahren.