Was ist Barrett Ösophagus?

Bei Barrett Ösophagus handelt es sich um eine Erkrankung der Speiseröhre, die eine Veränderung der betroffenen Zellen im Inneren des Organs bedingt.1 Dabei entwickelt sich Barrett Ösophagus oft als eine Folgeerkrankung der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) und kann in besonders schlimmen Fällen sogar zu Speiseröhrenkrebs führen.

Symptome von Barrett Ösophagus

Barrett Ösophagus an sich verursacht keine speziellen Symptome. Da die Krankheit allerdings eng mit Reflux verbunden ist, klagen viele Betroffene über die typischen Refluxsymptome. Dazu gehören:

So entsteht Barrett Ösophagus

Bei Reflux handelt es sich um ein aggressives Gemisch, das sich aus Säure, Magenenzymen und Galle zusammensetzt, und deshalb die Speiseröhre spürbar reizen kann. Die Zellen, die das Innere der Speiseröhre auskleiden, tragen somit mitunter erhebliche Schäden davon.

Um diese Schäden zu reparieren, muss der Körper neue Zellen bilden. Normalerweise werden die alten Zellen durch die gleiche Art von Zellen ersetzt: sog. Plattenepithelzellen, die an Schuppen erinnern. Vereinzelt entstehen bei diesem Vorgang jedoch auch Zellen, die eher der Beschaffenheit des Darms ähneln. Diese Zellen heißen Zylinderepithelzellen, da sie eine säulen- oder zylinderähnliche Form aufweisen.2

Wenn Zylinderepithelzellen das Innere der Speiseröhre besiedeln, besteht die Gefahr, dass diese Zellen sich verändern und anfangen Charakteristika von Krebszellen zu entwickeln. Der Fachbegriff dafür lautet Dysplasie. Eine Dysplasie ist erst einmal harmlos, kann im weiteren Verlauf aber zu Krebs führen.

Risikofaktoren für Barrett Ösophagus und Speiseröhrenkrebs

Da Barrett Ösophagus als Folge einer Speiseröhrenentzündung entsteht, stellen die bereits erwähnten GERD-Symptome einen Risikofaktor für die Erkrankung dar. Allerdings entwickeln nur ca. 10 % aller GERD-Betroffenen Barrett Ösophagus.1 Außerdem bleibt das Risiko, mit Barrett Ösophagus Speiseröhrenkrebs zu entwickeln, vergleichsweise gering. Wenngleich Barrett Ösophagus als eine Vorstufe des Krebsleidens gilt, liegt die tatsächliche Erkrankungsrate nur bei schätzungsweise 0,1 bis 0,5 % pro Jahr.1

Interessanterweise verzeichnen 40 bis 50 % der Patienten mit Barrett Ösophagus keine typischen Refluxsymptome wie beispielsweise Sodbrennen.3 Es ist jedoch möglich, dass diese Personen einen Stillen Reflux haben, der unspezifische Symptome wie Husten oder Heiserkeit hervorruft und deswegen oftmals unerkannt bleibt.

Rauchen sowie Übergewicht stellen weitere Risikofaktoren für Barrett Ösophagus dar und erhöhen zudem das Risiko, dass daraus Speiseröhrenkrebs entsteht.

Diagnose von Barrett Ösophagus

Barrett Ösophagus kann mithilfe einer Ösophaguskopie (Speiseröhrenspiegelung) diagnostiziert werden.4 Diese Methode kommt auch bei der Diagnose von Reflux zur Anwendung. Dabei wird ein langer Schlauch mit einer winzigen Kamera über den Mund in die Speiseröhre eingeführt.

Ein erfahrener Arzt kann die Krankheit zwar mittels Ösophaguskopie identifizieren, aber eine schlimme Speiseröhrenentzündung kann das Innere des Organs so stark verändern, dass Barrett Ösophagus mit dieser Methode nicht immer eindeutig diagnostiziert werden kann. Aus diesem Grund wird bei der Endoskopie zusätzlich eine kleine Gewebeprobe entnommen, deren Zellen im Labor untersucht werden. So lässt sich eindeutig feststellen, ob Barrett Ösophagus vorliegt und in welchem Stadium sich die Zellen befinden – ob also bereits eine Vorstufe von Krebs besteht.

Behandlung von Barrett Ösophagus

Bei Barrett Ösophagus konzentriert sich die Behandlung auf den zugrundeliegenden Reflux.

PPIs allein verringern nicht das Risiko für Speiseröhrenkrebs

Inwiefern eine Behandlung mit Protonenpumpenhemmern (PPIs) die Ausbruchsrate von Speiseröhrenkrebs verringert, konnte in Studien bisher nicht aufgezeigt werden. In einer großangelegten Untersuchung von 2.557 Barrett-Ösophagus-Patienten hatte eine Therapie mit PPIs keine Auswirkungen auf die Bildung von Speiseröhrenkrebs. Lediglich eine Behandlung mit Esomeprazol in Kombination mit Aspirin konnte das Risiko reduzieren – allerdings nur, wenn die Medikamente kontinuierlich für mindestens 10 Jahre eingenommen wurden.5

Ein Grund, warum PPIs alleine das Krebsrisiko nicht verringern, liegt vermutlich darin, dass die Stoffe nicht den Reflux vermindern, sondern ihn nur weniger sauer machen. Säure ist jedoch nicht der einzige Bestandteil von Reflux. Die Magenenzyme und die Galle können die Speiseröhre ebenfalls schädigen und damit Entzündungen hervorrufen, die zur Krebsentwicklung beitragen.

Ernährung bei Barrett Ösophagus

Ob die Ernährungsweise bei Barrett Ösophagus das Risiko für Speiseröhrenkrebs beeinflusst, konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden. Bestimmte Lebensmittel wie Kaffee, Schokolade, Alkohol oder fettreiche Nahrung sind allerdings dafür bekannt, Reflux zu fördern.6,7,8,9 Da Barrett Ösophagus – wie bereits dargelegt – meist mit Refluxsymptomen einhergeht, kann durch eine Vermeidung dieser Nahrungsmittel das Leiden zumindest unter Kontrolle gebracht werden.

Eine Operation als Ausweg für schwerwiegende Fälle

Eine Refluxoperation kann das Aufkommen von Reflux minimieren.

Zur Bekämpfung von Reflux hat sich bereits seit langem die Fundoplicatio etabliert, ein Eingriff, bei dem der obere Teil des Magens um die Speiseröhre gewickelt wird. Dadurch erhält der untere Ösophagussphinkter (UÖS) eine mechanische Unterstützung. Bei diesem Sphinkter handelt es sich um eine Art Ventil am unteren Ende der Speiseröhre, das eine wichtige Refluxbarriere darstellt.10

Da eine Operation jedoch immer das Risiko für Komplikationen mit sich bringt, ist dieser Schritt nur in schwerwiegenden Fällen zu empfehlen und erst dann, wenn alle anderen Maßnahmen fehlschlagen. Jedoch sind Patienten mit Barett Ösophagus definitiv in einer Patientengruppe, bei der man eher darüber nachdenkt, ob eine OP Sinn macht, da der Reflux bei ihnen chronisch ist und bereits klare Schäden verursacht hat.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind bei Barrett Ösophagus entscheidend

Da Barrett Ösophagus das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöht, ist eine regelmäßige Kontrolle notwendig. Diese Untersuchungen ermöglichen es, Vorstufen von Krebs oder den Krebs selbst frühzeitig zu erkennen und die Behandlung der Erkrankung entsprechend schnell einzuleiten.

Wie schon die Diagnose erfolgt eine solche Untersuchung mittels Ösophaguskopie. Solange keine Dysplasie (Vorstufe von Krebs) vorliegt, sollte die Untersuchung alle 3 bis 5 Jahre vorgenommen werden. Wenn eine Dysplasie auftritt, sollte sie je nach Stadium alle 3 bis 6 Monate durchgeführt werden.

Im fortgeschrittenen Stadium kann es sich zudem als sinnvoll erweisen, die dysplastischen Zellen zu entfernen, was ebenfalls mittels Ösophaguskopie erfolgt.11 Von einer vorbeugenden Entfernung der Zylinderepithelzellen sollte jedoch abgesehen werden, da das Risiko, dass sich daraus Krebs entwickelt, nur sehr gering ist.

Wichtig ist die ausreichende Behandlung des zugrundeliegenden Refluxes.


Quellen

1. Peters Y, Al-Kaabi A, Shaheen NJ, et al. Barrett oesophagus. Nature Reviews Disease Primers. 2019;5(1):35. doi:10.1038/s41572-019-0086-z

2. Souza RF. Reflux esophagitis and its role in the pathogenesis of Barrett’s metaplasia. Journal of Gastroenterology. 2017;52(7):767-776. doi:10.1007/s00535-017-1342-1

3. Ward EM, Wolfsen HC, Achem SR, et al. Barrett’s Esophagus Is Common in Older Men and Women Undergoing Screening Colonoscopy Regardless of Reflux Symptoms. The American Journal of Gastroenterology. 2006;101(1):12-17. doi:10.1111/j.1572-0241.2006.00379.x

4. Fitzgerald RC, di Pietro M, Ragunath K, et al. British Society of Gastroenterology guidelines on the diagnosis and management of Barrett’s oesophagus. Gut. 2014;63(1):7-42. doi:10.1136/gutjnl-2013-305372

5. Jankowski JAZ, de Caestecker J, Love SB, et al. Esomeprazole and aspirin in Barrett’s oesophagus (AspECT): a randomised factorial trial. The Lancet. 2018;392(10145):400-408. doi:10.1016/S0140-6736(18)31388-6

6. Thomas FB, Steinbaugh JT, Fromkes JJ, Mekhjian HS, Caldwell JH. Inhibitory effect of coffee on lower esophageal sphincter pressure. Gastroenterology. 1980;79(6):1262-1266. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7002705. Accessed February 6, 2020.

7. Murphy DW, Castell DO. Chocolate and heartburn: evidence of increased esophageal acid exposure after chocolate ingestion. The American journal of gastroenterology. 1988;83(6):633-636. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3376917. Accessed January 30, 2020.

8. Chen S, Wang J, Li Y. Is alcohol consumption associated with gastroesophageal reflux disease? Journal of Zhejiang University SCIENCE B. 2010;11(6):423-428. doi:10.1631/jzus.B1000013

9. Nebel OT, Castell DO. Inhibition of the lower oesophageal sphincter by fat a mechanism for fatty food intolerance. Gut. 1973;14(4):270-274. doi:10.1136/gut.14.4.270

10. Hershcovici T, Mashimo H, Fass R. The lower esophageal sphincter. Neurogastroenterology & Motility. 2011;23(9):819-830. doi:10.1111/j.1365-2982.2011.01738.x

11. Bas Weusten A, Bisschops R, Coron E, et al. Endoscopic management of Barrett’s esophagus: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Position Statement. 2017. doi:10.1055/s-0042-122140