Ursachen und Behandlung von Refluxösophagitis (Speiseröhrenentzündung)

 

Eine Speiseröhrenentzündung kann äußerst schmerzhaft sein. Typischerweise äußert sie sich durch Sodbrennen, kann jedoch auch weitere Beschwerden hervorrufen.

In diesem Artikel erfährst du, wodurch eine Speiseröhrenentzündung ausgelöst wird und was du dagegen tun kannst.

Typische Symptome und Anzeichen der Refluxösophagitis

Die Refluxösophagitis ist eine chronische Speiseröhrenentzündung, ausgelöst durch Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre. Man sagt auch Reflux dazu.

Das mit Abstand typischste Symptom der Speiseröhrenentzündung ist Sodbrennen. Jedoch kann eine Ösophagitis noch weitere Anzeichen haben.

Die wichtigsten Symptome der Refluxösophagitis sind:1

Die meisten Betroffenen haben aber schlicht und ergreifend Sodbrennen, besonders wenn sie noch in frühen Phasen der Erkrankung sind.

Wie ausgeprägt die Speiseröhrenentzündung ist, wird durch die Grade ausgedrückt: Refluxösophagitis Grad 1, 2, 3 oder 4.

Bei den Graden geht es darum, wie viel Fläche die Entzündungen in der Speiseröhre einnehmen.2 Je höher der Grad, desto mehr Raum nimmt die Entzündung ein. Man kann aber trotz großflächiger Entzündungen wenige Schmerzen haben. Sogar eine Speiseröhrenentzündung ohne Sodbrennen ist möglich.

Neben der visuellen Einstufung der Speiseröhrenentzündung gibt es auch die Bewertung anhand der Symptome. Verschiedene symptombasierte Fragenbögen bewerten, wie stark sich die verschiedenen möglichen Refluxsymptome subjektiv für den Patienten anfühlen. Ein beliebter Test ist der GERD-HRQL, den du hier auf Refluxgate auch online durchführen kannst.3

Ursache: Rückfluss von Magensaft

Wie kommt es nun genau zum Rückfließen von Magensaft in die Speiseröhre? Sprich, was löst Reflux und die Ösophagitis aus?

Das ist enorm wichtig zu verstehen. Denn nur wenn du die Ursachen für den Reflux kennst, kannst du die entstehende Entzündung der Speiseröhre behandeln.

Das leckende Ventil

Der Körper besitzt etliche Ventile, welche Organe voneinander abgrenzen. Der medizinische Begriff für diese Ventile ist Sphinkter.

Übersicht über die SphincterEine Speiseröhrenentzündung kann durch ein defektes Ventil verursacht werden, das zwischen Magen und Speiseröhre sitzt. Man nennt dieses Ventil den unteren Ösophagussphinkter (UÖS). Ösophagus ist der medizinische Begriff für die Speiseröhre.

Das Ventil hat eine schwierige Aufgabe. Es muss sich öffnen, um Essen von oben durchzulassen und sollte umgekehrt dicht bleiben, wenn Mageninhalt von unten gegen das Ventil drückt.

Öffnet sich das Ventil beim Essen nicht, so bekommt man Schluckschwierigkeiten. Öffnet es im falschen Moment, so kommt es zu Reflux.4

Kleinere Mengen an Reflux sind völlig normal. Selbst kerngesunde Menschen haben ein wenig Reflux. Warum, das ist in der Forschung noch unklar. Aber vermutlich ist es eine Möglichkeit des Magens, übermäßigen Druck in die Speiseröhre abzulassen.

Tritt Reflux jedoch zu häufig oder zu heftig auf, dann wird die Schleimhaut in der Speiseröhre geschädigt und entzündet sich. Ärzte nennen das gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD).

Durch die Entzündung wird die Schleimhaut in der Regel extrem empfindlich, weswegen selbst kleine Mengen an Säure aus dem Reflux Schmerzen auslösen können – wir bekommen Sodbrennen.

Die 3 Gründe für Speiseröhrenentzündung

Wie oben bereits geschrieben, ist Reflux an sich normal. Warum dennoch zu viel Reflux in die Speiseröhre gelangt, kann drei Ursachen haben:

1) Der Druck im Magen ist zu hoch

Das untere Speiseröhrenventil presst die Speiseröhre konstant mit einem bestimmten Druck zusammen. Wie hoch genau dieser Druck ist, ist bei Jedem etwas verschieden.

Ursache für RefluxDer Druck des Ventils muss dem Druck im Magen entgegenhalten. Je voller der Magen ist, desto höher ist auch der Druck.

Das ist der Grund, warum zu große Mahlzeiten eine Speiseröhrenentzündung auslösen können. Je voluminöser dein Essen ist, desto mehr Druck entsteht im Magen, welcher auf das Ventil zur Speiseröhre drückt.

Übergewicht ist ein anderer häufiger Grund für einen zu hohen Druck im Magen, da die Fettpolster auf den Magen drücken.5

Es gibt weitere Faktoren, welche den Druck im Magen erhöhen können. Alle führen aber dazu, dass das untere Speiseröhrenventil dem Druck nicht mehr standhalten kann und sich öffnet, wodurch der Mageninhalt in die Speiseröhre gepresst wird.4

2) Die Ventile werden schwächer

Die Kraft, mit der das Ventil zusammendrückt wird, variiert. Sie wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst.

Ständiges Überessen über Jahrzehnte hinweg führt beispielsweise zum Verschleiß des unteren Speiseröhrenventils. Es verliert seine Kraft. Reflux wird dementsprechend häufiger und stärker. Das ist der Grund, warum Refluxösophagitis mit zunehmendem Alter häufiger vorkommt.

Aber auch kurzfristig kann sich das Ventil lockern, wenn wir die falschen Sachen essen. Schokolade enthält beispielsweise Stoffe, welche zur einer Entspannung der Ventile führen. Kaffee hat den gleichen schwächenden Effekt auf das Ventil. Das ist der Grund, warum Kaffee und Schokolade bedeutende Auslöser von Sodbrennen sind.6,7

3) Verschlechterte Selbstreinigung des Körpers

Da eine gewisse Menge an Reflux normal ist, hat sich unser Körper im Laufe der Evolution an ihn angepasst.

Unser Körper besitzt mehrere Reinigungsmechanismen. Zum Beispiel zieht sich die Speiseröhre wellenförmig zusammen, wodurch Reflux wieder in den Magen zurückbefördert wird. Der medizinische Begriff hierfür ist Peristaltik.

Hast du jedoch eine chronische Speiseröhrenentzündung, so wird die Selbstreinigungsfunktion mit der Zeit geschädigt.8 Ein Teufelskreis entsteht, da durch die fehlende Reinigung noch mehr Entzündungen durch Reflux entstehen.

Aber keine Sorge, denn mit den richtigen Maßnahmen kannst du deinem Körper eine Erholungspause geben und den Teufelskreis durchbrechen.

Behandlung der Speiseröhrenentzündung

Viele Ärzte machen bei Sodbrennen nichts weiter als ihren Rezeptblock zu zücken. Nicht, weil das am meisten Sinn für die Behandlung macht, sondern weil in Arztpraxen permanenter Zeitdruck herrscht. Für ein ausführliches Beratungsgespräch ist nicht genug Zeit. Keine Chance. Ein Medikament ist dagegen schnell verschrieben.

Führende Experten, die ich interviewt habe, sind sich jedoch einig: Säurereduzierende Medikamente sollten bei einer Speiseröhrenentzündung höchstens eine Ergänzung sein und nur vorübergehend eingenommen werden.9 Die Gründe hierfür werden in meinem Artikel zu Protonenpumpenhemmern ausführlich beschrieben.

Säureblocker sind klasse, um akute Symptome zu bekämpfen.

Auf Dauer schädigen Säureblocker jedoch die Verdauung, was Refluxsymptome sogar noch verstärken kann.10 Zudem machen Säureblocker abhängig und es ist schwierig von ihnen herunterzukommen.

Besser ist ein Ansatz, der nicht an den Symptomen, sondern an der Ursache anknüpft.

Sinnvoller Ansatz: Anpassung der Ernährungsgewohnheiten

Die Ernährung ist für die Behandlung der Refluxösophagitis essenziell.11

Zum einen wird der Reflux in vielen Fällen durch die Ernährung selbst ausgelöst. Denn es gibt viele Lebensmittel, die zu einer Entspannung des unteren Speiseröhrenventils führen. Das hat wiederum auf Dauer eine Speiseröhrenentzündung zur Folge.

Zum anderen ist vielen Menschen nicht bewusst, dass der Zeitpunkt und die Menge des Essens einen Einfluss auf die Entstehung von Reflux haben.

Das Thema Ernährung ist sehr komplex. Zu komplex für einen Blogartikel.

Daher habe ich ein Buch geschrieben, um dich bei der Behandlung deiner Speiseröhrenentzündung an die Hand zu nehmen. Der Titel lautet „Schluss mit Sodbrennen“ und es unterstützt dich dabei, die Auslöser für deine Symptome zu finden und zu beseitigen. Egal ob du Sodbrennen oder ein anderes Symptom von Speiseröhrenentzündung hast, bei beidem wird es dir gleichermaßen helfen.

Im Buch zeige ich dir, wie du deine Ernährung so umstellst, dass deine Symptome verschwinden, du aber immer noch mit Genuss essen kannst. Zudem erfährst du, wann Medikamente gegen Speiseröhrenentzündung angebracht sind und wann nicht.

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Quellen

1. Symptoms & Causes of GER & GERD | NIDDK. https://www.niddk.nih.gov/health-information/digestive-diseases/acid-reflux-ger-gerd-adults/symptoms-causes. Abgerufen am 30. Januar 2020.

2. Genta RM, Spechler SJ, Kielhorn AF. The Los Angeles and Savary-Miller systems for grading esophagitis: utilization and correlation with histology. Diseases of the Esophagus. 2011;24(1):10-17. doi:10.1111/j.1442-2050.2010.01092.x

3. Velanovich V. The development of the GERD-HRQL symptom severity instrument. Diseases of the Esophagus. 2007;20(2):130-134. doi:10.1111/j.1442-2050.2007.00658.x

4. Hershcovici T, Mashimo H, Fass R. The lower esophageal sphincter. Neurogastroenterology & Motility. 2011;23(9):819-830. doi:10.1111/j.1365-2982.2011.01738.x

5. El-Serag H. The Association Between Obesity and GERD: A Review of the Epidemiological Evidence. Digestive Diseases and Sciences. 2008;53(9):2307-2312. doi:10.1007/s10620-008-0413-9

6. Murphy DW, Castell DO. Chocolate and heartburn: evidence of increased esophageal acid exposure after chocolate ingestion. The American journal of gastroenterology. 1988;83(6):633-636.

7. Thomas FB, Steinbaugh JT, Fromkes JJ, Mekhjian HS, Caldwell JH. Inhibitory effect of coffee on lower esophageal sphincter pressure. Gastroenterology. 1980;79(6):1262-1266.

8. Martinucci I, Bortoli N de, Giacchino M, et al. Esophageal motility abnormalities in gastroesophageal reflux disease. World Journal of Gastrointestinal Pharmacology and Therapeutics. 2014;5(2):86. doi:10.4292/wjgpt.v5.i2.86

9. Heidelbaugh JJ, Kim AH, Chang R, Walker PC. Overutilization of proton-pump inhibitors: what the clinician needs to know. Therapeutic Advances in Gastroenterology. 2012;5(4):219-232. doi:10.1177/1756283X12437358

10. Naito Y, Kashiwagi K, Takagi T, Andoh A, Inoue R. Intestinal Dysbiosis Secondary to Proton-Pump Inhibitor Use. Digestion. 2018;97(2):195-204. doi:10.1159/000481813

11. Festi D, Scaioli E, Baldi F, et al. Body weight, lifestyle, dietary habits and gastroesophageal reflux disease. World Journal of Gastroenterology. 2009;15(14):1690. doi:10.3748/wjg.15.1690