Welche Medikamente bei Sodbrennen helfen

Sodbrennen entsteht, wenn saurer Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigt und diese reizt. Damit gehen Irritationen oder sogar schmerzhafte Symptome einher. Bestimmte säurereduzierende Medikamente können die Symptome von Sodbrennen lindern.

Folgender Artikel gibt eine Übersicht über die Medikamente, die bei der Behandlung von Sodbrennen zum Einsatz kommen.

PPIs – die beste Maßnahme zur Reduktion der Säureproduktion?

Protonenpumpeninhibitoren (PPIs) hemmen die Säureproduktion im Magen und gelten folglich als wirkungsvollste Maßnahme zur Reduktion der Säureproduktion.1 In einer Studie mit Pantoprazol waren beispielsweise 97 % der Patienten innerhalb von zwei Wochen von ihrem Sodbrennen befreit.2 Aus diesem Grund gehören PPIs bei Sodbrennen zur Standardtherapie. Wer mit Sodbrennen zum Arzt geht, bekommt in der Regel PPIs verschrieben.

Allerdings können PPIs in manchen Fällen zu Schwierigkeiten führen. Ein Problem besteht zum Beispiel darin, dass diese Wirkstoffe nicht die Menge an Reflux reduzieren, sondern ihn bloß weniger sauer machen. Der Säureanteil des Refluxes ist jedoch nicht das einzige, was die Speiseröhre reizt und Schäden anrichtet. Reflux enthält zudem Verdauungsenzyme und Galle, die das Innere der Speiseröhre angreifen.3,4 Aus diesem Grund können PPIs zwar akute Beschwerden zügig lindern, aber langfristig kann der Reflux weiterhin Schäden an der Speiseröhre anrichten.

Außerdem beeinflussen PPIs die Verdauung, denn Säure spielt im Verdauungsprozess eine wichtige Rolle. Da eine langsame Verdauung Reflux begünstigen kann, können PPIs Reflux sogar indirekt verstärken.

Ein weiteres großes Problem der PPIs kommt beim Absetzen der Medikamente zum Tragen und wird von Experten als Rebound Effekt5 bezeichnet: Der Magen reagiert auf das plötzliche Fehlen der Hemmstoffe mit vermehrter Säureproduktion, was mit einer vorübergehenden Verschlimmerung der Symptome des Sodbrennens einhergeht. Daher kann es sehr schwierig sein, nach monatelanger Einnahme die Medikamente wieder abzusetzen.

H2 Rezeptor Antagonisten – moderate Hemmung der Säureproduktion

Ähnlich wie PPIs vermindern H2 Rezeptor Antagonisten die Säureproduktion im Magen.6 Sie hemmen die Säureproduktion jedoch weniger effizient als PPIs und nur über einen kürzeren Zeitraum hinweg. Aus diesem Grund kommen die Wirkstoffe seltener zum Einsatz als PPIs.

Allerdings wirken H2 Rezeptor Antagonisten auf leerem Magen besser als PPIs und werden deswegen gerne bei nächtlichen Symptomen angewandt.7 Darüber hinaus helfen sie den Rebound-Effekt beim Absetzen von PPIs zu mildern.

H2 Rezeptor Antagonisten sollten je nach Bedarf bei akuten Refluxsymptomen oder vorbeugend 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit eingesetzt werden.8 Zur langfristigen Einnahme eignen sich die Mittel allerdings nicht, da bereits nach zwei Wochen eine Toleranz gegenüber dem Wirkstoff entwickelt wird und in der Folge die säurehemmende Wirkung stark nachlässt.6 Zur Behandlung gelegentlicher sowie leichter Symptome kannst du jedoch durchaus darauf vertrauen. Bei circa 80 % aller Patienten klingen solche Symptome unter Zuhilfenahme von H2 Rezeptor Antagonisten nämlich schnell ab.9

Antazida – neutralisieren die Magensäure

Antazida sind basische Substanzen, welche die Magensäure neutralisieren. Im Gegensatz zu PPIs und H2 Rezeptor Antagonisten haben sie keinen Einfluss auf die Säureproduktion im Magen. Sie wirken somit äußerst schnell, aber nur für kurze Zeit.10 Da sich mit PPIs und H2 Rezeptor Antagonisten der pH-Wert im gesamten Tagesverlauf weitaus besser kontrollieren lässt, wurden Antazida weitestgehend von diesen beiden Wirkstoffklassen verdrängt.

Ihre Verwendung erweist sich höchstens bei gelegentlichem Sodbrennen als sinnvoll, da Antazida unmittelbar nach dem Schlucken wirken und nur selten Nebenwirkungen verursachen.

Prokinetika stimulieren Muskelkontraktionen im Verdauungssystem

Prokinetika sind Medikamente, die Einfluss auf die Nerven des Körpers nehmen. Die Nerven steuern verschiedene Muskelbewegungen und somit auch diejenigen Muskeln, die für die Verdauung benötigt werden.

Die Speiseröhre befördert verzehrte Nahrung durch wellenförmige Impulse in den Magen. Dort wird das Essen durch weitere Bewegungen zunächst vermengt und dann in Richtung Darm transportiert. Wenn es Probleme mit diesen Magenbewegungen gibt, kann eine Gastroparese auftreten, eine verzögerte Magenentleerung, die als eine häufige Ursache von Reflux gilt.

Prokinetika stimulieren die Nerven, welche diese Prozesse steuern, sodass sie stärkere Impulse an die Muskeln geben, wodurch diese wiederum besser kontrahieren. Somit wirken sich Prokinetika positiv auf den Ablauf des Verdauungsprozesses aus.

Eine groß angelegte Metaanalyse ergab, dass sich in neun Studien die GERD-Symptome durch Prokinetika im Vergleich zu Placebo-Mitteln deutlich verbesserten. Die Ergebnisse der Studien waren sogar fast deckungsgleich, was die Wirksamkeit der Medikamente zusätzlich bekräftigt. Dennoch sprach ein Großteil der Patienten nicht auf die Medikamente an. Nur bei circa 60 % der Untersuchten konnte eine Linderung der Symptome verzeichnet werden.11

Außerdem verursachen Prokinetika sehr viele Nebenwirkungen. Da sie auf die Nerven des Körpers wirken, haben sie ähnliche Effekte wie Psychopharmaka, die sich zum Beispiel als Nervosität, Müdigkeit oder Muskelzuckungen zeigen.

Prokinetika können leider auch irreversible Nebenwirkungen hervorrufen, weswegen sie nur ungern eingesetzt werden. Dazu zählen etwa sog. Spätdyskinesien.12 Diese Nebenwirkung von Prokinetika tritt häufig erst Wochen bis Monate nach Absetzen des Medikaments auf und lässt sich zudem nicht vorhersehen. Bei Dyskinesien handelt es sich um unkontrollierte Muskelzuckungen (Spastiken). Das kann sich in ungewollten Gesichtsverzerrungen äußern, als ob man eine Grimasse ziehen würde.

Durch diese visuelle Nebenwirkung fühlen sich Betroffene oft stigmatisiert und das Sozialleben kann darunter beträchtlich leiden. Diese Zuckungen treten zwar zum Glück nur selten auf, aber wenn ein Patient daran erkrankt, ist dieses Leiden dauerhaft und nicht heilbar. Aufgrund der permanenten Folgen haben sie jedoch ein starkes Abschreckungspotential für die Einnahme von PPIs.

Gaviscon – bildet eine Schaumschicht über dem Magen

Gaviscon ist das einzige Refluxmedikament, das nicht nur säurereduzierend wirkt, sondern auch den Reflux selbst mindert. Durch die Inhaltsstoffe des Mittels bildet sich eine Schaumschicht über dem Magen, die eine Barriere gegen aus dem Magen aufsteigenden Reflux darstellt. Gleichzeitig enthält Gaviscon auch ein Antazidum. Sollte also doch etwas Reflux durch die Schaumschicht in die Speiseröhre gelangen, ist dieser weniger sauer.

Es gibt Gaviscon in zwei Varianten, Gaviscon Advance und Gaviscon Dual. Gaviscon Dual ist stärker dosiert als Gaviscon Advance, sodass der schaumbildende Effekt umfangreicher ausfällt.13,14 Auch die Konzentration des Antazidums ist bei Gaviscon Dual höher.

Eine Studie hat gezeigt, dass Gaviscon Dual in circa 50% der Refluxpatienten die Symptome deutlich mindern kann. Auch wenn dieses Medikament wirksam ist, sprechen also längst nicht alle Reflux-Betroffenen darauf an.15

Fazit: Refluxmedikamente beseitigen nicht die Ursache von Sodbrennen

Die meisten Refluxmedikamente machen Reflux lediglich weniger sauer, vermindern aber nicht das Aufkommen von Reflux. Aus diesem Grund sind sie nicht zur langfristigen Behandlung von Sodbrennen geeignet.

Im Gegensatz zur Einnahme von Medikamenten lässt sich mit einer Anpassung der Ernährung der Reflux gut unter Kontrolle bringen.

Weiterhin kann ich dir unser Buch „Schluss mit Sodbrennen“ empfehlen, das dir genau erklärt, wie du dein Sodbrennen auch ohne Medikamente loswirst.


Quellen

1. Hrelja N, Zerem E. Proton pump inhibitors in the management of gastroesophageal reflux disease. Medicinski arhiv. 2011;65(1):52-55. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21534455. Accessed January 30, 2020.

2. Wurzer H, Schutze K, Bethke T, Fischer R, Luhmann R, Riesenhuber C. Efficacy and safety of pantoprazole in patients with gastroesophageal reflux disease using an intravenous-oral regimen. Austrian Intravenous Pantoprazole Study Group. Hepato-gastroenterology. 46(27):1809-1815. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10430350. Accessed February 4, 2020.

3. Siddiqui A, Rodriguez-Stanley S, Zubaidi S, Miner PB. Esophageal Visceral Sensitivity to Bile Salts in Patients with Functional Heartburn and in Healthy Control Subjects. Digestive Diseases and Sciences. 2005;50(1):81-85. doi:10.1007/s10620-005-1282-0

4. TACK J. Review article: the role of bile and pepsin in the pathophysiology and treatment of gastro-oesophageal reflux disease. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2006;24:10-16. doi:10.1111/j.1365-2036.2006.03040.x

5. Rochoy M, Dubois S, Glantenet R, Gautier S, Lambert M. Le rebond d’acidité gastrique après arrêt d’un inhibiteur de la pompe à protons: revue narrative de littérature. Therapies. 2018;73(3):237-246. doi:10.1016/j.therap.2017.08.005

6. COLIN-JONES DG. The role and limitations of H2-receptor antagonist in the treatment of gastro-oesophageal refrux disease. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2008;9:9-14. doi:10.1111/j.1365-2036.1995.tb00778.x

7. Xue S, Katz PO, Banerjee P, Tutuian R, Castell DO. Bedtime H2 blockers improve nocturnal gastric acid control in GERD patients on proton pump inhibitors. Alimentary Pharmacology and Therapeutics. 2001;15(9):1351-1356. doi:10.1046/j.1365-2036.2001.01050.x

8. Spiro HM. H2-blockers. Journal of Clinical Gastroenterology. 1983;5:143-148. doi:10.1097/00004836-198312001-00014

9. de BOER WA, TYTGAT GNJ. Review article: drug therapy for reflux oesophagitis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2007;8(2):147-157. doi:10.1111/j.1365-2036.1994.tb00272.x

10. TURNER R. Antacids. The Practitioner. 1947;159(952):339. doi:10.5005/jp/books/18035_15

11. Prokinetic Drug Utility in the Treatment of Gastroesophageal Reflux Esophagitis: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials – PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21673949-prokinetic-drug-utility-in-the-treatment-of-gastroesophageal-reflux-esophagitis-a-systematic-review-of-randomized-controlled-trials/. Accessed March 3, 2020.

12. Shaffer D, Pamer C, Mackey AC, Butterfield M. Tardive Dyskinesia Risks and Metoclopramide Use Before and After U.S. Market Withdrawal of Cisapride. Journal of the American Pharmacists Association. 2004;44(6):661-665. doi:10.1331/1544345042467191

13. GAVISCON Advance Pfefferminz. https://www.gaviscon.de/media/3156/gaviscon-advance-pfefferminz-1000-mg200-mg-suspension-zum-einnehmen-im-beutel_clean-pdf.pdf. Accessed March 3, 2020.

14. GAVISCON DUAL. https://www.gaviscon.de/media/3157/gaviscon-dual-suspension_flasche_rb360015-tr1510665-rbl1900649.pdf. Accessed March 3, 2020.

15. Wilkinson J, Wade A, Thomas SJ, Jenner B, Hodgkinson V, Coyle C. Randomized clinical trial. European Journal of Gastroenterology & Hepatology. 2019;31(1):86-93. doi:10.1097/MEG.0000000000001258