Wie sehr steigert Reflux das Risiko für Speiseröhrenkrebs?

Man hört immer wieder, dass Reflux Speiseröhrenkrebs verursachen könne. Viele Menschen, die mit Reflux diagnostiziert werden, befürchten sofort, Krebs zu bekommen.

In der Tat ist Reflux ein Risikofaktor für Speiseröhrenkrebs. Doch wie hoch ist dieses Risiko?

Wie Reflux das Risiko für Speiseröhrenkrebs beeinflusst

Reflux reizt die Speiseröhre und kann auf Dauer Entzündungen hervorrufen. Die Speiseröhre ist mit sogenannten Plattenepithelzellen ausgekleidet, die durch Reflux beschädigt werden. Diese Zellen werden normalerweise durch neue Plattenepithelzellen ersetzt. Es kann jedoch passieren, dass sie durch Zellen ersetzt werden, die eher Zellen aus dem Darm ähneln. Diese sind als Zylinderepithelzellen bekannt.1

In der Folge können Teile des Speiseröhrengewebe mit der Zeit ersetzt werden. Eine solche Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut ist eine typische Langzeitfolge von Reflux – der medizinische Begriff für diese Gewebeveränderung ist Barrett Ösophagus.2 Barett Ösophagus ist für sich alleine noch nicht gefährlich. Allerdings handelt es sich um eine Krebsvorstufe. Krebs kann sich entwickeln, muss aber nicht.  

Geringe Erhöhung des Krebsrisikos

Nur 10% der Reflux-Betroffen entwickeln einen Barrett-Ösophagus.2 Von diesen 10% erkranken pro Jahr nur 0,1 – 0,5% an Krebs.2 Das heißt, ja, Reflux ist ein Risikofaktor für Speiseröhrenkrebs, aber das Risiko ist eher gering, aber vorhanden. Zudem ist Speiseröhrenkrebs eine Erkrankung, die weltweit immer häufiger wird, auch bei jungen Menschen unter 50.3

Wenn du allerdings schon einen Barrett-Ösophagus hast, ist dein Risiko für Krebs natürlich höher. Aus diesem Grund sind dann regelmäßige Kontrolluntersuchungen vorgesehen (siehe unten).

Wie du das Krebsrisiko verringern kannst

Wenn du unter Reflux leidest, solltest du versuchen, ihn so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen. So kannst du verhindern, dass du einen Barrett Ösophagus entwickelst, der das Krebsrisiko erhöht.

Anpassung der Essgewohnheiten

Um den Reflux unter Kontrolle zu bekommen, musst du die Ursache für den Reflux angehen. Oftmals sind es ungünstige Ernährungsgewohnheiten, die Reflux begünstigen. Umgekehrt sind Änderungen im Essverhalten sehr wirkungsvoll, wenn es darum geht, den Reflux zu reduzieren.4

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Falls bei dir bereits Barrett Ösophagus diagnostiziert wurde, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen vorgesehen, um potenziellen Krebs frühzeitig zu entdecken. Solch eine Untersuchung findet alle 3 – 5 Jahre statt und erfolgt mithilfe einer Ösophaguskopie (Speiseröhrenspiegelung).5,6 Dabei wird ein langer Schlauch mit einer winzigen Kamera durch den Mund in die Speiseröhre geführt. So lassen sich typische Veränderungen in der Speiseröhre feststellen. Bei der Gelegenheit können auch Zellproben entnommen werden, um die Zellen im Labor genauer zu untersuchen.

Protonenpumpenhemmer können das Krebsrisiko nicht verringern

Bei Sodbrennen sind Protonenpumpenhemmer (PPIs) meist die erste Wahl.7 Allerdings vermindern sie den nicht Reflux, sie machen ihn lediglich weniger sauer. Da Reflux neben Säure noch weitere reizende Stoffe enthält, wie z. B. Galle und Pepsin, schreitet die Krankheit trotz Säurehemmung weiter voran.8,9 Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Behandlung von Barrett Ösophagus mit PPIs alleine das Krebsrisiko nicht verringern.10

Fazit: Reflux erhöht zwar das Krebsrisiko, aber es ist dennoch sehr gering

Wenn du Reflux hast, gibt es viele gute Gründe, ihn unter Kontrolle zu bringen. Ein guter Grund ist, dass sich deine Speiseröhre immer mehr entzündet, wenn du nichts unternimmst. Folglich werden deine Symptome immer stärker. Ein erhöhtes Krebsrisiko ist ein weiterer Grund, warum du Reflux behandeln solltest. Andererseits solltest du dich dadurch nicht unnötig beunruhigen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Reflux gerade bei dir Speiseröhrenkrebs verursacht, ist verschwindend gering.

Der Artikel über die Therapie von Reflux gibt dir einen Überblick über die Behandlungsoptionen.


Quellen

  1. Souza RF. Reflux esophagitis and its role in the pathogenesis of Barrett’s metaplasia. Journal of Gastroenterology. 2017;52(7):767-776. doi:10.1007/s00535-017-1342-1
  2. Peters Y, Al-Kaabi A, Shaheen NJ, et al. Barrett oesophagus. Nature Reviews Disease Primers. 2019;5(1):35. doi:10.1038/s41572-019-0086-z
  3. Diana Swift. MedPageToday. Young-Onset Esophageal Cancer Rapidly Increasing. https://www.medpagetoday.com/hematologyoncology/othercancers/90246. 16.12.2020. Abgerufen am 22.09.2021.
  4. Festi D, Scaioli E, Baldi F, et al. Body weight, lifestyle, dietary habits and gastroesophageal reflux disease. World Journal of Gastroenterology. 2009;15(14):1690. doi:10.3748/wjg.15.1690
  5. Bas Weusten A, Bisschops R, Coron E, et al. Endoscopic management of Barrett’s esophagus: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Position Statement. 2017. doi:10.1055/s-0042-122140
  6. Fitzgerald RC, di Pietro M, Ragunath K, et al. British Society of Gastroenterology guidelines on the diagnosis and management of Barrett’s oesophagus. Gut. 2014;63(1):7-42. doi:10.1136/gutjnl-2013-305372
  7. Hrelja N, Zerem E. Proton pump inhibitors in the management of gastroesophageal reflux disease. Medicinski arhiv. 2011;65(1):52-55. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21534455. Accessed January 30, 2020.
  8. TACK J. Review article: the role of bile and pepsin in the pathophysiology and treatment of gastro-oesophageal reflux disease. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2006;24:10-16. doi:10.1111/j.1365-2036.2006.03040.x
  9. Siddiqui A, Rodriguez-Stanley S, Zubaidi S, Miner PB. Esophageal Visceral Sensitivity to Bile Salts in Patients with Functional Heartburn and in Healthy Control Subjects. Digestive Diseases and Sciences. 2005;50(1):81-85. doi:10.1007/s10620-005-1282-0
  10. Jankowski JAZ, de Caestecker J, Love SB, et al. Esomeprazole and aspirin in Barrett’s oesophagus (AspECT): a randomised factorial trial. The Lancet. 2018;392(10145):400-408. doi:10.1016/S0140-6736(18)31388-6