Pepsine: Wir verdauen uns selbst

 

Typischerweise werden bei Reflux Protonenpumpenhemmer, kurz PPI, verordnet. Diese sollen die Säure reduzieren und dadurch die Probleme verbessern.

Dummerweise spricht Stiller Reflux darauf meist nicht an. Die Symptome bleiben. Der Grund: Pepsine.

Pepsine sind Magenenzyme, welche bei der Verdauung von Proteinen helfen. Sie gelangen während des Reflux in Hals und Atemwege und lagern sich in den dortigen Schleimhäuten ein.

Von dort aus können die Pepsine das tun, was sie auch im Magen tun: Proteine verdauen.

 

Pepsine zerlegen unsere Schleimhäute

Jetzt muss man sich mal vor Augen halten, aus was wir Menschen eigentlich bestehen: aus Proteinen. Da Pepsine eben diese zerlegen, verdauen wir uns quasi selbst. Der Magen ist vor diesem Effekt geschützt, die Schleimhäute von Hals und Atemwegen dagegen nicht.

Bis vor wenigen Jahren war die vorherrschende Meinung in der Medizin noch, dass Pepsine nicht der Verursacher von Stillem Reflux sein können. In der nicht sauren Umgebung der Atemwege würden sie nämlich deaktiviert werden.

Einige wenige Vorreiter bei der Erforschung des Stillen Reflux waren anderer Meinung  und wurden dafür von ihren Kollegen über Jahrzehnte hinweg ausgelacht. Mittlerweile zeigt der neueste Stand der Forschung jedoch, dass Pepsine höchstwahrscheinlich der Grund für die Symptome des Stillen Reflux sind.

 

Pepsine können durch Säuren reaktiviert werden

Denn im Gegensatz zur veralteten Meinung können Pepsine wieder reaktiviert werden. Nämlich dann, wenn sie wieder mit Säuren in Kontakt kommen. Desto stärker die Säure ist, desto stärker werden auch die Pepsine reaktiviert.

Früher war man der Meinung, dass Pepsine ab einem PH-Wert  von 4 inaktiv werden.
Die meisten Säuremessungen zur Refluxdiagnose messen daher auch, ob der PH-Wert im Hals auf unter 4 fällt.

Jedoch ist diese Ansicht überholt. Mittlerweile weiß man durch Studien, dass Pepsine auch bei höheren PH- Werten aktiv bleiben. Auf dem folgenden Diagramm sieht man sehr schön, wie sich die Pepsinaktivität in Abhängigkeit vom PH-Wert verändert.

Aktivität Pepsin

Selbst bei PH 6 hat Pepsin immer noch 10% Aktivität. Erst ab einem PH-Wert von ca. 6,5 wird Pepsin inaktiv.

Meist haben unser Hals und die Atemwege einen PH von größer als 6,5. Unser Kehlkopf beispielsweise hat einen PH von ca. 6,8.

Wenn wir jedoch regelmäßig auch nur geringfügig sauren Reflux haben oder geringfügig saure Getränke oder Speisen zu uns nehmen, so fällt jedes mal der PH-Wert und braucht Zeit, um sich zu erholen.

Dabei wird jedes mal auch das Pepsin aktiviert. Stärker saure Speisen und stärkerer Reflux reaktivieren das Pepsin um so mehr.

 

Pepsine können auch in den Schleimhäuten reaktiviert werden

Außerdem wird in der Forschung derzeit vermutet, dass Pepsin sogar unabhängig von Reflux und Säureaufnahme reaktiviert werden kann.

Pepsin wird nämlich von unseren Schleimhäuten aufgenommen. Dadurch kann das Pepsin in Gewebeschichten vordringen, die einen etwas geringeren PH-Wert haben. Auf diese Weise wird das Pepsin reaktiviert und zerfrisst uns von innen heraus.

Das könnte der Grund sein, warum trotz Reflux-Therapie viele Patienten oft nur langsame Fortschritte machen. Selbst wenn man die Magensäure über PPI hemmt und keine Säuren isst oder trinkt, so wird wahrscheinlich immer noch ein Teil der Pepsine in die Schleimhäute aufgenommen und dort  reaktiviert.

Daher ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Stillem Reflux, dass von vorneherein weniger Reflux stattfindet.

 

Die Behandlung gibt dem Körper eine Pause von den Pepsinen

Indem man die Aktivierung der Pepsine vermindert, gibt man dem Körper Gelegenheit, sich zu erholen. Denn normalerweise besitzt er Schutzmechanismen gegen Schäden durch Pepsine. Bei Menschen mit Stillem Reflux sind diese Barrieren bereits überrannt.

Indem man dafür sorgt, dass die Pepsine durch die Behandlung weniger aktiviert werden, gibt man dem Körper Zeit, sich zu heilen.

Somit durchbricht man den Teufelskreis. Ohne Behandlung würde es dagegen vermutlich zu einer weiteren Verschlimmerung kommen.

Denn die Pepsine führen zu Entzündungen im Hals, welche die natürlichen Refluxbarrieren schwächen und damit noch mehr Reflux verursachen können.

Ohne Behandlung hält der Stille Reflux sich daher selbst am Leben.

 

Pepsine werden bei PH 8 permanent deaktiviert

Die bisher einzig bekannte Möglichkeit Pepsine dauerhaft zu deaktivieren, ist den PH Wert über 8 zu heben.

Normalerweise passiert es aber in unseren Atemwegen nicht, dass der PH auf über 8 steigt. Auch Nahrungsmittel und Getränke sind fast ausnahmslos entweder neutral oder sauer.

Die Folge ist, dass einmal refluxte Pepsine lange Zeit in den Schleimhäuten der Atemwege bleiben können.

Selbst für Stillen Reflux sinnvolle Lebensmittel sind chemisch betrachtet meist noch leicht sauer. Würden wir nur neutrale oder alkalische (das Gegenteil von sauer) Lebensmittel essen, bliebe praktisch nichts mehr zum Essen übrig.

Was mittlerweile verstärkt in den USA als Behandlung eingesetzt wird, ist das Trinken von alkalischem Wasser, bzw. Alcaline Water, um den englischen Begriff zu nutzen. Alcaline Water ist einfach nur Wasser, das einen alkalischen PH-Wert hat.

Alcaline Water kommt natürlich vor, beispielsweise in manchen Mineral- oder Heilquellen. Man kann es sich aber auch selbst mischen. Das geht beispielsweise mithilfe spezieller alkalischer Tropfen  oder auch einfach mit Speisenatron, welche beide den PH-Wert anheben.

Speisenatron hat aber den Nachteil, dass man viel Natrium aufnimmt. Das ist das gleiche Mineral, was auch durch Kochsalz aufgenommen wird. Wer sich also salzarm ernähren will, soll, oder muss, für den ist das zusammenmischen mit Natron nichts.

Man muss nach dem Mischen den PH-Wert messen, beispielsweise mit PH-Teststreifen, damit das Wasser nicht zu alkalisch wird. Ein PH-Wert zwischen 8 und 9 wird oft empfohlen.

Es gibt alternativ auch Wasserfilter , mit denen sich alkalisches Wasser herstellen lässt.

Ich selbst benutze einfach Natron aus der Apotheke. Das ist nicht die gesündeste Alternative. Allerdings reise ich viel und Natron ist das einzige, was sehr portabel ist und wovon ich überall auf der Welt Nachschub kaufen kann.

Um alkalisches Wasser gibt es übrigens alle möglichen Heilsversprechen, die vor allem durch einen Trend aus den USA kommen. Dabei soll alkalisches Wasser einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und viele Krankheiten haben, da es quasi Säuren aus der Ernährung ausgleichen soll und “entschlackt”. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Jedoch geht es uns einzig alleine darum, dass alkalisches Wasser erwiesenermaßen Pepsine dauerhaft deaktiviert.

 

Nicht verwirren lassen bei PH-Wert Angaben

Wichtig: wenn ihr über Google nach PH-Werten von Lebensmitteln sucht, findet ihr meist nicht den tatsächlichen PH-Wert der Lebensmittel bei der Nahrungsaufnahme.

Stattdessen findet ihr meist PH-Wert Angaben, die aussagen, welchen Einfluss die Lebensmittel auf den PH-Wert im Körper haben.

Manche Lebensmittel sind sehr sauer, sorgen aber im Körper beim Verdauen für einen Anstieg des PH-Wertes. Beispielsweise Zitronen. Sie können also den Körper alkalisch machen, obwohl die Lebensmittel selbst sauer sind. Das kann zur Behandlung mancher Krankheiten sinnvoll sein, wie beispielsweise Rheuma.

Für uns ist aber interessant, welchen PH-Wert Lebensmittel haben, wenn wir sie essen. Denn das ist der Zeitpunkt, zu dem sie Pepsine aktivieren können.

Stiller Reflux Onlinetest RSI