Warum Natron ein Hausmittel gegen Sodbrennen ist – aber nur kurzfristig wirkt

Natron neutralisiert Magensäure und ist als Hausmittel gegen Sodbrennen bekannt.

Jedoch eignet sich Natron nur kurzfristig als Mittel gegen Sodbrennen. Die Wirkung von Natron ist gering. Es kann aber trotzdem Nebenwirkungen verursachen. Langfristig eignen sich andere Maßnahmen besser.

Natron: ein Antazidum gegen Sodbrennen

Sodbrennen wird durch Reflux ausgelöst – Magensaft, der vom Magen in die Speiseröhre zurückfließt. Im Reflux enthaltene Säure, Galle, sowie Verdauungsenzyme schädigen die Schleimhäute und verursachen eine Speiseröhrenentzündung.1

Wie sauer der Reflux ist, wird mithilfe der pH-Skala angegeben.

Alles unter einem pH-Wert von 7 ist sauer. Flüssigkeiten mit einem pH-Wert von größer als 7 sind alkalisch (basisch).

Je niedriger der Wert, desto saurer ist der Reflux. Bei Sodbrennen musst du also einen niedrigen pH-Wert in deiner Speiseröhre vermeiden.

die pH Skala

Treffen alkalische und saure Stoffe aufeinander, so neutralisieren sie sich gegenseitig. Alkalische Stoffe beseitigen somit Magensäure.

Medikamente gegen Sodbrennen, die stark alkalische Stoffe enthalten und somit die Säure in Magen und Speiseröhre reduzieren, nennt man Antazida (Einzahl Antazidum).

Viele Menschen haben Bedenken, künstliche Antazida einzusetzen. Ein Grund ist, dass sie oft Aluminium enthalten, das in Studien mit Alzheimer in Verbindung gebracht wurde.3

Eine zunächst sanftere Alternative scheint Speisenatron g zu sein. Natron mag chemisch klingen, wird aber ständig von den Schleimhäuten in Mund, Hals und Speiseröhre abgesondert. Es ist die natürliche Verteidigung des Körpers gegen Reflux. Es handelt sich also um ein natürliches Antazidum.

Speisenatron ist übrigens nur der umgangssprachliche Begriff. In der Chemie spricht man von Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3).

Unterschied zwischen Backpulver und Speisenatron

Backpulver und Speisenatron werden regelmäßig miteinander verwechselt.

Backpulver besteht aus einem alkalischen und einem sauren Stoff, wobei für den ersteren in der Regel Speisenatron verwendet wird.

Wie weiter oben geschrieben, löschen sich alkalische und saure Stoffe gegenseitig aus. Jedoch passiert das erst, sobald Feuchtigkeit dazukommt. Wenn die alkalischen und sauren Stoffe sich beim Backen gegenseitig neutralisieren, entsteht das Gas Kohlenstoffdioxid (CO2).4 Dieses Gas sorgt für das Aufgehen des Teigs und eine luftige Struktur.

Da Backpulver sowohl Säure als auch alkalische Stoffe enthalten, bringt es nichts gegen Sodbrennen. Diesen Fehler machen manchmal Betroffene, die Backpulver als vermeintliches Hausmittel gegen Reflux einnehmen.

Stattdessen musst du bei Sodbrennen, wenn dann Speisenatron verwenden.

Wie du alkalisches Wasser als Mittel gegen Sodbrennen herstellst

Speisenatron musst du mit Wasser vermischen, um es gegen Sodbrennen einsetzen zu können. Andernfalls ist es in Pulverform schwierig einzunehmen So erzeugst du alkalisches Wasser, welches Magensäure neutralisieren kann.

Speisenatron mit Wasser verdünnen

Speisenatron kannst du im Supermarkt kaufen. Eine sehr bekannte Marke ist Kaiser Natron. Du findest es in der Regel bei den Backwaren.

Die meisten Apotheken haben ebenfalls Speisenatron auf Lager.

Achtung: Bitte auf keinen Fall das Speisenatron mit dem giftigen Waschnatron verwechseln, das eine andere chemische Struktur, aber einen ähnlichen Namen hat. Es ist nicht zum Verzehr gedacht, sondern wie der Name schon sagt, zum Waschen.

Um alkalisches Wasser herzustellen kannst du Speisenatron mit ein wenig Wasser in einem Glas vermischen.

Verwende nur stilles Wasser, oder Leitungswasser, da kohlensäurehaltiges Wasser von Natur aus sauer ist. Zudem bildet die Kohlensäure Gas im Magen, was nur noch mehr Reflux verursachten würde.

Hoher Natriumgehalt – Nicht sinnvoll als Dauerbehandlung

Ein großer Nachteil bei der Verwendung von Natron ist, dass du sehr viel Natrium aufnimmst. Das ist der gleiche Stoff, der auch im Kochsalz enthalten ist. Kochsalz besteht aus Natriumchlorid.

Das kann bei anfälligen Menschen zu hohem Blutdruck und anderen Problemen führen. Aus diesem Grund soll man auch nicht zu viel Salz zu sich nehmen.5

Eine Dauerlösung für die Refluxtherapie ist Natron daher nicht. Wenn du Probleme mit Bluthochdruck hast, solltest du damit also vorsichtig sein.

Ein anderer Nachteil ist: Natron regt den Magen zur Ausschüttung von mehr Säure an.

Unser Körper ist nicht dumm. Wir brauchen Säure für die Verdauung. Neutralisieren wir sie ständig, so produziert der Körper mit der Zeit mehr nach. Das ist auch der Grund, warum säurehemmende Medikamente, wie Protonenpumpenhemmer, abhängig machen. Verwendest du Natron ab und zu, ist das aber kein Problem.

Ein weiterer Nachteil ist, dass Säuren und Basen sich gegenseitig unter der Produktion von Gas auslöschen. Trinkst du also alkalisches Wasser, so entstehen nach seinem Auftreffen auf die Magensäure Gase, welche wiederum das Ventil zur Speiseröhre aufdrücken. Insofern kann jedes Mal neuer Reflux erzeugt werden, insbesondere gasförmiger Reflux. Insofern ist der Nutzen von Speisenatron sehr begrenzt, da es zwar kurzfristig Linderung schaffen kann, aber einfach neuen Reflux erzeugt.

In der Apotheke verkaufte Antazida mögen auf den ersten Blick unnatürlicher und chemischer wirken. Jedoch sind sie sowohl effektiver bei Sodbrennen, als auch besser verträglich, als Speisenatron.

Die beste Behandlung: Ernährung und Auslöservermeidung

Speisenatron hilft zwar gegen Sodbrennen, ist aber aus oben genannten Gründen keine Dauerlösung.

Natron, wie auch Medikamente, lindern nur die Symptome. Sie bekämpfen aber nicht die Wurzel des Problems und können sogar auf Dauer neue Symptome erzeugen.

Willst du dein Sodbrennen dauerhaft, natürlich und ohne Nebenwirkungen beseitigen?

Dann musst du die Auslöser für dein Sodbrennen identifizieren und eliminieren. Zudem kannst du deine Ernährung so umstellen, dass das Essen keine Symptome verursacht. Das bedeutet jedoch nicht, dass du auf Genuss verzichten musst. Du musst jedoch herausfinden, was deine persönlichen Refluxauslöser sind.

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Quellen

1. TACK J. Review article: the role of bile and pepsin in the pathophysiology and treatment of gastro-oesophageal reflux disease. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2006;24:10-16. doi:10.1111/j.1365-2036.2006.03040.x

2. Decktor DL, Robinson M, Gottlieb S. COMPARATIVE EFFECTS OF LIQUID ANTACIDS ON ESOPHAGEAL AND GASTRIC pH IN PATIENTS WITH HEARTBURN. American Journal of Therapeutics. 1995;2(7):481-486. doi:10.1097/00045391-199506000-00007

3. Kawahara M, Kato-Negishi M. Link between Aluminum and the Pathogenesis of Alzheimer’s Disease: The Integration of the Aluminum and Amyloid Cascade Hypotheses. International Journal of Alzheimer’s Disease. 2011;2011:1-17. doi:10.4061/2011/276393

4. Natriumhydrogencarbonat – Chemie-Schule. https://www.chemie-schule.de/KnowHow/Natriumhydrogencarbonat. Abgerufen am 13. August 2020.

5. Grillo, Salvi, Coruzzi, Salvi, Parati. Sodium Intake and Hypertension. Nutrients. 2019;11(9):1970. doi:10.3390/nu11091970