Husten nach dem Essen: Ein Zeichen für Atemwegsreflux

Husten kann zwar viele Ursachen haben. Während phasenweiser Husten in der Regel auf eine simple Erkältung zurückgeht, hat chronischer, langfristiger Husten häufig Reflux als Ursache.

Ein sehr typisches Anzeichen von Atemwegsreflux ist, wenn der Husten oft nach dem Essen auftritt, da zu diesem Zeitpunkt der Reflux am stärksten ist.

Refluxhusten entsteht, wenn Magensaft über die Speiseröhre bis in die Atemwege aufsteigt und dort Reizungen verursacht. In aller Regel passiert dies unbemerkt, da Atemwegsreflux in Form unsichtbarer, aber messbarer Gase und Aerosole auftritt, die aus dem Magen aufsteigen. Diese Art von Reflux nennt man Stillen Reflux.

Stiller Reflux richtet auch ohne Sodbrennen Schaden an

Reflux bedeutet, dass ein Teil des Mageninhalts nach oben aufsteigt. Oft handelt es sich dabei um Magensaft, der die Speiseröhre reizt, und Symptome wie Sodbrennen verursacht.

Bei Stillem Reflux hingegen handelt es sich hauptsächlich um gasförmigen Reflux, der über die Speiseröhre in den Hals und die Atemwege gelangt. Aus diesem Grund bezeichnet man Stillen Reflux auch als Atemwegsreflux. Der Bezeichnung „Still“ kommt daher, dass die typischen Symptome von Sodbrennen oft nicht vorhanden sind. Stattdessen verursacht Stiller Reflux unspezifische Symptome, wie Husten nach dem Essen, Heiserkeit, der verstärkte Schleimbildung im Hals.

Wie Reflux Husten nach dem Essen verursacht

Beim Stillen Reflux gelangen Teile des Mageninhalts in den Hals und in die Atemwege. Der Mageninhalt enthält zwei Dinge, auf die Atemwege extrem empfindlich reagieren: Magensäure und Pepsine.

Pepsine bauen Proteine ab. Innerhalb des Magens ist das ein notwendiger Prozess, der Teil der Verdauung ist.

Außerhalb des Magen können Pepsine jedoch großen Schaden anrichten. Sie sorgen dafür, dass wir uns sozusagen selbst verdauen.

Pepsine werden durch Säure aktiviert und sind theoretisch bei dem pH-Wert, der in den Atemwegen herrscht, unschädlich.[1] Atemwegsreflux ist jedoch sauer und kann somit Pepsine außerhalb des Magens aktivieren. Säuremessungen zeigen, dass Patienten mit Refluxhusten oft stundenlange Refluxepisoden haben, welche den pH-Wert in den Atemwegen senken.

Auch Säure aus der Nahrung kann Pepsine aktivieren

Magensäure ist nicht die einzige Säurequelle, auf die Pepsine im Hals und Atemwegen reagieren. Säure aus der Nahrung hat den gleichen Effekt. Sie kann Pepsine aktivieren, die sich bereits auf und in den Schleimhäuten befinden.[2],[3]

Aus diesem Grund tritt der Husten vor allem beim oder nach dem Essen auf: beim Essen aktiviert die Säure Pepsine. Kurze Zeit nach dem Essen entsteht dann der Husten.

Wenn Pepsine die Atemwegsschleimhaut angreifen und reizen, löst das eine Entzündungsreaktion aus, auf die der Körper mit vermehrter Schleimproduktion reagiert. Husten dient dazu, die Atemwege wieder vom Schleim zu befreien.

Stiller Reflux ist häufige Ursache von ungeklärtem Husten

Stiller Reflux ist eine epidemische Erkrankung, die sich aufgrund der modernen Essensgewohnheiten immer weiter ausbreitet. Da die Symptome so unspezifischen sind, bleibt Stiller Reflux leider oft lange unerkannt und richten in der Zwischenzeit großen Schaden an.

Wenn Du wissen möchtet, ob du Stillen Reflux hast, kannst du im weltweit anerkannten Onlinetest herausfinden, ob deine Symptome zutreffen. Unter den folgenden Links findest du zudem weitere Informationen zu den Symptomen von Stillem Reflux und wie man ihn behandelt.


Quellen

[1] Johnston N, Dettmar PW, Bishwokarma B, Lively MO, Koufman JA. Activity/stability of human pepsin: implications for reflux attributed laryngeal disease. Laryngoscope. 2007;117(6):1036-9.

[2] Koufman JA. The otolaryngologic manifestations of gastroesophageal reflux disease (GERD): a clinical investigation of 225 patients using ambulatory 24-hour pH monitoring and an experimental investigation of the role of acid and pepsin in the development of laryngeal injury. Laryngoscope. 1991;101(4 Pt 2 Suppl 53):1-78.

[3] Koufman JA. Low-acid diet for recalcitrant laryngopharyngeal reflux: therapeutic benefits and their implications. Ann Otol Rhinol Laryngol. 2011;120(5):281-7.