Hilft Milch bei Sodbrennen?

Milch kann Schärfe neutralisieren, und das Brennen vermindern, das beim Essen scharfer Lebensmittel entsteht. Deshalb wird Milch gerne als Hausmittel deklariert, das zur Linderung von Refluxsymptomen wie Sodbrennen zum Einsatz kommt.

Hilft das Trinken von Milch tatsächlich gegen das Brennen in der Speiseröhre in Folge von Reflux?

Milch ist relativ pH-neutral

Oft wird behauptet, mit Milch ließe sich saurer Reflux neutralisieren oder dieser zumindest weniger sauer machen. Tatsächlich ist Milch mit einem pH-Wert von 6,2 bis 6,7 nur leicht sauer und sogar fast pH-neutral.1

Das bedeutet, dass Milch keine Säure in dem Maße enthält, dass diese die Speiseröhre reizen könnte. Umgekehrt ist der pH-Wert jedoch auch nicht hoch genug, um den pH-Wert des sauren Magensaftes anzuheben. Der pH-Wert von Milch erweist sich also als zu niedrig, um Sodbrennen lindern zu können.

Dennoch denke ich, dass durchaus ein Funken Wahrheit daran ist, dass die Milch Sodbrennen lindern kann. Allerdings dürfte der Effekt sehr kurzlebig sein.

Theoretisch sollte pures Wasser den gleichen säureausgleichenden Effekt haben. Im Gegensatz zu Wasser ist Milch zudem etwas dickflüssiger, weswegen sie sich vermutlich ein klein wenig länger auf der Schleimhaut in der Speiseröhre hält.

Trotzdem mach Milch keinerlei Sinn als Hausmittel gegen Sodbrennen.

Denn durch das Trinken der Milch wird das Volumen des Mageninhalts erhöht, was somit den Druck im Magen und den Reflux weiter verstärkt. Ein voller Magen braucht 3-4 Stunden, um sich zu entleeren. Wer eine Magenentleerungsstörung hat, oder eine besonders große Mahlzeit gegessen hat, bei dem dauert es sogar noch länger. Insofern erkauft man sich mit dem Trinken von Milch ein etwas verbessertes Sodbrennen für wenige Minuten mit verstärktem Reflux für mehrere Stunden.

Wenn man Hilfe bei akuten Symptomen braucht, dann machen Antazida mehr Sinn, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten (Säure ausgleichen), dies jedoch effizienter tun, wodurch weniger Flüssigkeit benötigt wird (= weniger Erhöhung des Drucks im Magen).

Milchunverträglichkeit als Ursache von Sodbrennen

Eine Milchunverträglichkeit, die sich in einer Laktoseintoleranz oder einer Milchallergie äußern kann, kann Verdauungsprobleme und als Folge typische Refluxsymptome wie Sodbrennen verursachen. Eine Studie ergab, dass etwa die Hälfte aller Refluxpatienten unter einer Milchunverträglichkeit leiden.2,3 Jedoch ist aufgrund der historisch großen Bedeutung von Milch im deutschsprachigen Raum dieser Anteil bei uns vermutlich geringer.

Natürlich gilt das nur für die Leser, die tatsächlich eine Milchunverträglichkeit haben.

Viele Betroffene wissen jedoch nicht, dass sie unter einer Milchunverträglichkeit leiden. Die Diagnose ist auch nicht immer einfach und auch Tests beim Arzt haben eine geringe Genauigkeit.4 Insofern könnte es eine Idee sein, einige Zeit auf Milch zu verzichten und zu schauen, welchen Unterschied es für dich macht. In dieser Zeit kann du Tiermilchalternativen wie Kokos-, Mandel-, Soja- oder Hafermilch verwenden.

Generell sind andere Maßnahmen zur Behandlung von Reflux und Ernährungsumstellungen jedoch von höherer Priorität. Insofern sollte das Thema Milchunterverträglichkeit nicht von anderen wichtigen Therapieoptionen ablenken, insbesondere wenn du außer Reflux keine Gründe hast, eine Milchunverträglichkeit bei dir zu vermuten.

Fazit: Milch lindert Sodbrennen nicht

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Konsum von Milch (sofern du keine Unverträglichkeit hast) bei Sodbrennen weitestgehend unbedenklich ist – mehr aber auch nicht. Milch ist kein sinnvolles Hausmittel zur Behandlung von Sodbrennen.

Mehr zu Hausmitteln bei Sodbrennen findest du in diesem verlinkten Artikel.


Quellen

1. Ma Y, Barbano DM. Milk pH as a Function of CO2 Concentration, Temperature, and Pressure in a Heat Exchanger. Journal of Dairy Science. 2003;86(12):3822-3830. doi:10.3168/jds.S0022-0302(03)73989-7

2. Caselli M, lo Cascio N, Rabitti S, et al. Pattern of food intolerance in patients with gastro-esophageal reflux symptoms. Minerva Medica. 2017;108(6):496-501. doi:10.23736/S0026-4806.17.05379-4

3. Pérez Lara FJ, Hernández Gonzalez JM, Doblas Fernández J, Corrales Valero E, Oehling de los Reyes H. Prospective Study of Lactose Intolerance as a Potential Cause of Gas Bloat Syndrome in Patients Treated Surgically for Gastroesophageal Reflux. Surgical Innovation. 2020;27(2):160-164. doi:10.1177/1553350619891351

4. Majamaa H, Moisio P, Kautiainen H, Majamaa H, Turjanmaa K, Holm K. Cow’s milk allergy: diagnostic accuracy of skin prick and patch tests and specific IgE. Allergy. 1999;54(4):346-351. doi:10.1034/j.1398-9995.1999.00834.x