Warum verursacht Alkohol Sodbrennen?

Letzte Aktualisierung:
10. Juni 2024

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Personen, die unter Reflux leiden, können stark davon profitieren, ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten anzupassen. Dazu gehört auch der Verzicht auf bestimmte Refluxtrigger, zu denen alkoholische Getränke gehören.

Es gibt mehrere Mechanismen, mit denen der Alkoholkonsum Reflux bedingt:1

1. Entspannung des UÖS

Alkohol wirkt entspannend auf die Muskeln des menschlichen Körpers. Alkohol lockert somit auch die Muskeln des unteren Ösophagussphinkters (UÖS), dem Ventil am hinteren Ende der Speiseröhre, das eine wichtige Refluxbarriere darstellt.2,3 Als Folge dieser Muskelrelaxation kann der Sphinkter dem Druck aus dem Magen weniger gut standhalten. Reflux gelangt leichter in die Speiseröhre.

2. Erhöhung des Drucks im Magen

Viele alkoholische Getränke sind kohlensäurehaltig, wie beispielsweise Bier. Kohlensäure fördert die Gasbildung im Magen, wodurch der Magendruck ansteigt. Dementsprechend sieht sich der untere Ösophagusspinkter einem höheren Druck ausgesetzt und es kommt vermehrt zur Bildung von Reflux.

3. Säure reizt die Speiseröhre

Die allermeisten alkoholischen Getränke sind auf der pH-Skala als sauer einzustufen. Wenn die Speiseröhre ohnehin schon durch sauren Reflux gereizt wird, kann zusätzliche Säure aus Nahrungsmitteln oder Getränken diese Symptome noch verstärken.

Zudem ist der Alkohol selbst ein reizender Faktor, was insbesondere bei hochprozentigen Alkoholgetränken ausschlaggebend ist.

4. Auslösung weiterer Refluxtrigger

Hinzukommt das Problem beim Alkoholkonsum, dass dieser oftmals andere Reflux-triggernde Verhaltensweisen nach sich zieht. So verleitet Alkoholkonsum beispielsweise dazu, spät abends noch etwas zu essen. Bekommst du zu diesen ungünstigen Uhrzeiten spontan Hunger, beispielsweise auf dem Nachhauseweg von der Kneipe, dann bietet sich oft ungesundes, fettiges Fastfood und andere refluxfördernde Lebensmittel als Option an – eine besonders gefährliche Kombination.

Zusätzlich zur Wirkung des Alkohols kommt in diesem Fall noch jede Menge Fett hinzu, welches ebenfalls negativ auf den unteren Ösophagussphinkter wirkt.4 Darüber hinaus spielt sich der Vorfall möglicherweise kurz vor dem Schlafengehen ab und Mahlzeiten am späten Abend gelten ohnehin schon als Refluxtrigger.

Diese Faktoren können in Verbindung miteinander zu starkem Reflux führen, der die ganze Nacht über anhält, wobei die Speiseröhre beträchtlich gereizt werden kann. Selbst wenn solche Ereignisse nur hin und wieder vorkommen, können sie doch erhebliche Schäden anrichten.

Inwieweit Alkohol Reflux auslöst, hängt vom Einzelfall ab

Heißt das nun, dass du nie wieder Alkohol trinken darfst, wenn du unter Reflux leidest? Ob und wie viel Alkohol du trotz Reflux trinken kannst, ist individuell unterschiedlich und kommt auch darauf an, welche weiteren Risikofaktoren vorliegen.

Wenn du unter akuten Symptomen leidest, solltest du zunächst komplett auf Alkohol verzichten, bis die Symptome wieder unter Kontrolle sind. Erst dann solltest du ausprobieren, ob du ein gelegentliches Glas Wein oder ein Bier gut verträgst, oder ob dies bei dir erneut Sodbrennen verursacht.

Sodbrennen lässt sich in den meisten Fällen durch eine Anpassung der Ernährungs- und Verhaltensweisen gut behandeln. Das Vermeiden von Alkohol ist nur einer von vielen Faktoren. Im ausführlichen Artikel über die Therapieoptionen bei Reflux erfährst du mehr darüber.


Quellen

1. Chen S, Wang J, Li Y. Is alcohol consumption associated with gastroesophageal reflux disease? Journal of Zhejiang University SCIENCE B. 2010;11(6):423-428. doi:10.1631/jzus.B1000013

2. Hershcovici T, Mashimo H, Fass R. The lower esophageal sphincter. Neurogastroenterology & Motility. 2011;23(9):819-830. doi:10.1111/j.1365-2982.2011.01738.x

3. C. PEHL APBWH. Different Effects of White and Red Wine on Lower Esophageal Sphincter Pressure and Gastroesophageal Reflux. Scandinavian Journal of Gastroenterology. 1998;33(2):118-122. doi:10.1080/00365529850166815

4. Nebel OT, Castell DO. Inhibition of the lower oesophageal sphincter by fat a mechanism for fatty food intolerance. Gut. 1973;14(4):270-274. doi:10.1136/gut.14.4.270

Über den Autor

Gerrit Sonnabend

Gerrits Sonnabends beruflicher Hintergrund ist in der qualitativen Forschung und Data-Science. Er hatte selbst starken Reflux. Hier kannst du mehr zu Gerrit erfahren.