Hilft Kaugummikauen bei stillem Reflux?

Letzte Aktualisierung:
12. Dezember 2023

Airwaves Kaugummipackung auf Holzhintergrund

Zusammenfassung

  • Speichelproduktion: Kaugummikauen erhöht den Speichel und stärkt die Säurebarriere gegen stillen Reflux.
  • Neutralisiert Reflux: Kauen hebt den pH-Wert im Kehlkopf an, was stillem Reflux entgegenwirkt.
  • Optimal nach Mahlzeiten: Kaugummikauen nach dem Essen ist besonders wirksam, da dann die Refluxbelastung am höchsten ist.
  • Kaugummisorten: Meide saure Sorten. Fruchtgeschmack ist in der Regel sauer.
  • Alternative: Lutschpastillen können ebenfalls helfen, haben aber eine kürzere Wirkung als Kaugummi.
  • Empfehlung: Kaugummikauen ist eine einfacher und unterstützender Weg, um stillen Reflux zu reduzieren, ersetzt aber nicht andere langfristiger wirkende Behandlungsmaßnahmen.

Wirkprinzip des Kaugummikauens bei Reflux im Allgemeinen

Kaugummikauen erhöht die Speichelproduktion. Speichel stellt eine natürliche Abwehrbarriere des Körpers dar, insbesondere gegen stillen Reflux. Die im Speichel enthaltenen Hydrogencarbonate stellen den natürlichen Säurepuffer des Körpers dar, welcher hilft, Magensäure zu neutralisieren. Wer Kaugummi kaut, verstärkt kurzfristig diese Säurebarriere.

Zusätzlich erhöht das Kauen die Schluckfrequenz, was hilft, Reflux schneller in den Magen zurückzubefördern.

Wirksam auch bei stillem Reflux

Zur klassischen Refluxkrankheit gibt es Studien, dass durch das Kaugummikauen Reflux in der Speiseröhre reduziert wird, mit einer entsprechenden Verbesserung des Sodbrennens.

Aber wie sieht es bei stillem Reflux aus? Kann auch bei stillem Reflux das Kauen von Kaugummi helfen?

Eine Studie von 2001 hat sich mit dem Thema befasst. Die Untersuchung hat herausgefunden, dass das Kauen von Kaugummi in der Tat hilft, den pH-Level im Kehlkopf zu erhöhen. Das heißt, dass das Kauen von Kaugummi hilft, stillen Reflux zu neutralisieren.

Der erhöhte pH-Wert reduziert zudem den Schaden, welcher das Magenenzym Pepsin anrichten kann. Dieses Magenenzym ist umso reizender für die Schleimhäute, je saurer seine Umgebung ist.

Kaugummi ist am sinnvollsten nach den Mahlzeiten

Kaugummikauen ist speziell nach Mahlzeiten zu empfehlen, da zu diesem Zeitpunkt die Refluxbelastung am höchsten ist. Zudem hat das Kauen eine vorbeugende Wirkung.

Die zuvor verlinkte Studie hat zudem herausgefunden, dass Kaugummikauen einen Puffereffekt hervorruft. Das heißt, die erhöhte Speichelproduktion stellt eine Barriere dar, die auch für kurze Zeit nach dem eigentlichen Kauen anhält, da der Speichel nicht sofort verschwindet und weiter Reflux neutralisiert.

Welche Kaugummisorten sind sinnvoll bei stillem Reflux?

Saure Sorten unbedingt vermeiden

Das Einzige, was es absolut zu vermeiden gilt, sind saure Kaugummis. Schließlich liegt der Sinn des Kaugummikauens gerade darin, den pH-Wert im Hals zu erhöhen.

Saure Kaugummis können die Symptome sogar noch verstärken.

Praktisch alle Kaugummis mit Fruchtgeschmack sind sauer. Was unsere Zunge als fruchtig wahrnimmt, ist nämlich der säuerliche Geschmack. Schließlich sind auch fast alle Früchte sauer.

Pfefferminzgeschmack: entgegen Mythos in Maßen in Ordnung

Kaugummis mit Pfefferminzgeschmack sind grundsätzlich in Ordnung. Oftmals wird behauptet, Minze wäre ein Problem bei Reflux. Jedoch betrifft dies nur natürliche Minze und in größeren Mengen. Etwas Minzaroma in einem Kaugummi wirkt sich nicht auf den Reflux aus, wie eine Studie gezeigt hat.

Airwaves Kaugummipackung auf Holzhintergrund
Ein Beispiel für ein bei stillem Reflux geeignetes Kaugummi ist das blaue Airwaves Kaugummi (Menthol & Eukalyptus).

Jedoch kann das Menthol, welches für das Minzaroma verantwortlich ist, in größeren Mengen irritierend auf die Schleimhäute wirken, gerade wenn diese durch den Reflux bereits angegriffen sind. Man sollte also nicht unbedingt ein extrastarkes Minzkaugummi wählen.

Gibt es Nachteile durch Kauen von Kaugummi?

Manchmal wird in der Literatur angemerkt, dass die erhöhte Schluckfrequenz zu einem erhöhtem Schlucken von Luft führen könnte, die dann wieder Druck im Magen ausübt. Ich habe aber aus meiner Erfahrung noch nie erlebt, dass das für einen Refluxbetroffenen ein Problem gewesen wäre.

Können Lutschpastillen ebenfalls helfen?

Grundsätzlich ja. Jedoch halten Bonbons, wie Ricola, nicht besonders lange, weswegen der speichelproduzierende Effekt entsprechend kürzerer Natur ist.

Mein persönliches Fazit

Für mich ist Kaugummikauen bei stillem Reflux einer der besten Geheimtipps. Mir persönlich hat das Kauen von Kaugummi immer sehr geholfen, mehr als jegliches Medikament.

Es ist ein unglaublich einfaches Mittel, um stillen Reflux zu reduzieren. Insbesondere kann es dir helfen, Kaugummi zu kauen, wenn man eben doch mal etwas gegessen hat, was man nicht hätte essen sollen. Oder wenn man einfach zu viel gegessen hat. Gerade auf Reisen finde ich es daher ein gutes Mittel, um Beschwerden im Zaum zu halten, da es unterwegs eben doch einfach mal passiert, dass man zu viel, oder das Falsche isst.

Natürlich ersetzt Kaugummikauen nicht umfangreichere Behandlungsoptionen, um den stillen Reflux langfristig unter Kontrolle zu bringen, wie ich sie beispielsweise auch in meinem Onlinekurs bespreche. Denn das Kaugummikauen hilft nur kurzfristig, löst aber nicht die Grundursachen des stillen Reflux.

Über den Autor

Gerrit Sonnabend

Gerrits Sonnabends beruflicher Hintergrund ist in der qualitativen Forschung und Data-Science. Er hatte selbst starken Reflux. Hier kannst du mehr zu Gerrit erfahren.