Was ist Esomeprazol?

Esomeprazol ist ein Protonenpumpenhemmer (PPI) zur Behandlung von gastroösophagealer Refluxkrankheit (engl. gastroesophageal reflux disease – GERD). Es gehört zu den neueren PPIs und kommt auch zur Behandlung des Zollinger-Ellison-Syndroms zum Einsatz, eine Erkrankung, bei der zu viel Magensäure produziert wird.

Wie wirkt Esomeprazol?

Wie andere PPIs hemmt Esomeprazol die Säureproduktion im Magen. Dadurch wird der Magensaft und der aus dem Magen aufsteigende Reflux weniger sauer und die Speiseröhre wird weniger gereizt.

Esomeprazol wirkt auf säureproduzierende Zellen in der Magenschleimhaut, die sogenannten Parietalzellen. Der Wirkstoff bindet an die Säurepumpen dieser Zellen und diese Bindung ist irreversibel: wenn Esomeprazol einmal gebunden hat, löst es sich also nicht wieder. Allerdings werden ständig neue Säurepumpen gebildet. Für eine ausreichende Hemmung der Säureproduktion im Tagesverlauf muss Esomeprazol daher regelmäßig (1-2 Mal täglich) eingenommen werden.1

Wie wirksam ist Esomeprazol bei Reflux?

Esomeprazol kann Refluxsymptome wie Sodbrennen innerhalb weniger Wochen effektiv mildern. In einer Studie mit 148 Teilnehmern hatten vor der Behandlung 63,1% der Patienten mittlere bis schwere Refluxsymptome. Nach achtwöchiger Behandlung mit täglich 20 oder 40 mg Esomeprazol hatten nur noch 9,3% deutliche Symptome.2

Wie unterscheidet sich Esomeprazol von anderen PPIs?

Der Wirkstoff Esomeprazol leitet sich von Omeprazol ab. Bei Omeprazol handelt es sich um ein Gemisch zweier spiegelbildlicher Moleküle, von denen nur eins therapeutisch wirksam ist. Esomeprazol hingegen enthält ausschließlich das therapeutisch wirksame Molekül. Ein klinisch relevanter Unterschied zwischen den beiden Wirkstoffen konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden.3 Es gibt allerdings einen großen Unterschied im Preis: Esomeprazol ist deutlich teurer als Omeprazol.

Bisher konnte wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden, dass Unterschiede zwischen verschiedenen PPIs klinisch relevant sind.4

Für Patienten, die noch weitere Medikament einnehmen, kann es dennoch von Bedeutung sein, welchen PPI sie einnehmen. Denn Esomeprazol (ebenso wie Omeprazol) hemmt den Abbau bestimmter Medikamente in der Leber, wie z. B. des Beruhigungsmittels Diazepam (auch unter dem Markennamen Valium bekannt), des Antiepileptikums Phenytoin und des Blutverdünners Clopidogrel. Rabeprazol, Lansoprazol und Pantoprazol neigen weniger zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.5

Im Artikel über die Unterschiede von PPIs findest du weitere Informationen darüber, wie sich einzelne PPIs in ihrer Wirkungsweise unterscheiden.

Welche Risiken und Nebenwirkungen treten bei Esomeprazol auf?

Häufige Nebenwirkungen von Esomeprazol sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung, ein trockener Mund und Schwindel.6

Da Esomeprazol ebenso wie andere PPIs die Aufnahme von Vitamin B12 erschwert, erhöht eine langfristige Einnahme das Risiko für einen Mangel an diesem Vitamin was beispielsweise zur Entstehung von Nervenschmerzen und -schädigung beitragen kann (Polyneuropathie).7

Eine Einnahme kann auf Dauer außerdem zu Nierenprobleme führen und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.8,9

Generell können PPI zu einer geringeren Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung führen, was vermutlich für viele der Nebeneffekte bei Dauereinnahme verantwortlich ist, wie beispielsweise das höhere Osteoporoserisiko aufgrund von Kalziummangel.10 Auch das Risiko von Magendarminfektionen, inklusive chronischen Infektionen, wird durch eine Dauerbehandlung mit PPI erhöht.

Es gibt noch andere Behandlungsoptionen für Reflux, sowohl durch andere Medikamente, als auch durch Operationen und durch eine Anpassung der Ernährung.


Quellen

1. Horn J. The proton-pump inhibitors: Similarities and differences. Clinical Therapeutics. 2000;22(3):266-280. doi:10.1016/S0149-2918(00)80032-6

2. Gold BD, Gunasekaran T, Tolia V, et al. Safety and Symptom Improvement With Esomeprazole in Adolescents With Gastroesophageal Reflux Disease. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2007;45(5):520-529. doi:10.1097/MPG.0b013e318148c17c

3. Asghar W, Pittman E, Jamali F. Comparative efficacy of esomeprazole and omeprazole: Racemate to single enantiomer switch. DARU Journal of Pharmaceutical Sciences. 2015;23(1):50. doi:10.1186/s40199-015-0133-6

4. Devlin JW, Welage LS, Olsen KM. Proton Pump Inhibitor Formulary Considerations in the Acutely Ill Part 2: Clinical Efficacy, Safety, and Economics. Annals of Pharmacotherapy. 2005;39(11):1844-1851. doi:10.1345/aph.1G176

5. Wedemeyer R-S, Blume H. Pharmacokinetic Drug Interaction Profiles of Proton Pump Inhibitors: An Update. Drug Safety. 2014;37(4):201-211. doi:10.1007/s40264-014-0144-0

6. Nexium (Esomeprazole): Uses, side effects, and cautions. https://www.medicalnewstoday.com/articles/247873#adverse-effects. Accessed March 25, 2020.

7. Heidelbaugh JJ. Proton pump inhibitors and risk of vitamin and mineral deficiency: evidence and clinical implications. Therapeutic Advances in Drug Safety. 2013;4(3):125-133. doi:10.1177/2042098613482484

8. Hart E, Dunn TE, Feuerstein S, Jacobs DM. Proton Pump Inhibitors and Risk of Acute and Chronic Kidney Disease: A Retrospective Cohort Study. Pharmacotherapy: The Journal of Human Pharmacology and Drug Therapy. 2019;39(4):443-453. doi:10.1002/phar.2235

9. Thong BKS, Ima-Nirwana S, Chin K-Y. Proton Pump Inhibitors and Fracture Risk: A Review of Current Evidence and Mechanisms Involved. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2019;16(9):1571. doi:10.3390/ijerph16091571

10. Gasser RW. Protonenpumpeninhibitoren und Osteoporoserisiko. Journal für Mineralstoffwechsel & Muskuloskelettale Erkrankungen. 2020;27(1):2-7. doi:10.1007/s41970-019-00095-5