Welche Bereiche des Körpers kann Stiller Reflux betreffen?
Ich werde immer wieder gefragt, ob Stiller Reflux auch Beschwerden in der Nase, den Ohren oder anderen Bereichen verursachen kann. Oft haben Betroffene Symptome, bei denen sie nicht sicher sind, ob ein Zusammenhang mit ihrem Reflux besteht. Ob ein bestimmtes Symptom tatsächlich vom Reflux kommt, ist im Einzelfall schwer zu sagen. Was wir aber wissen: Da Stiller Reflux überwiegend gasförmig ist, kann er vom Rachen aus viele Bereiche des Körpers erreichen.
Wie der Reflux sich ausbreitet
Gasförmiger Reflux steigt vom Magen durch die Speiseröhre, passiert den oberen Schließmuskel und gelangt in den Rachen. Von dort verteilt er sich über die natürlichen Verbindungen der oberen Atemwege weiter: in die Nase, die Nasennebenhöhlen, und über die Luftröhre in die Lunge. Über die Ohrtrompete, die Rachen und Mittelohr verbindet, kann er die Ohren erreichen.

Den eigentlichen Schaden richtet in der Regel nicht die Säure an. Bis auf schwere Fälle gelangt nur sehr wenig Säure in die Atemwege. Das Problem ist Pepsin, ein Verdauungsenzym aus dem Magen. Als Enzym reichen bereits winzige Mengen, um Schaden anzurichten. Pepsin lagert sich in den Schleimhäuten ab und wird von den Zellen aufgenommen. Dort beschädigt es Zellstrukturen und löst Entzündungsreaktionen aus, selbst wenn der Reflux gar nicht sauer ist, zum Beispiel wenn man bereits Protonenpumpenhemmer nimmt.
Pepsin wurde nicht nur im Rachen nachgewiesen, sondern auch in der Lunge, den Nasennebenhöhlen, im Mittelohr, im Speichel und in der ausgeatmeten Luft. Das bestätigt, dass Mageninhalt tatsächlich all diese Bereiche erreicht.
Bereiche, die betroffen sein können
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Hals und Kehlkopf — der am häufigsten betroffene Bereich. Heiserkeit, Halsschmerzen, Räusperzwang und das Gefühl eines Kloßes im Hals sind typische Symptome.
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Nase — Reflux gelangt über den Nasenrachenraum in die Nasenhöhle und kann dort chronische Entzündungen verursachen.
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Nasennebenhöhlen — die Verbindung zwischen Reflux und chronischer Nasennebenhöhlenentzündung ist gut belegt. Menschen mit Stillem Reflux haben fast 5-mal häufiger eine chronische Sinusitis.
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Lunge — Reflux kann bis in die Lunge gelangen. Dass Pepsin Lungengewebe schädigt, ist im Labor nachgewiesen. In der Praxis ist die Verbindung bei Asthma, chronischem Husten und nach Lungentransplantationen am relevantesten.
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Ohren — über die Ohrtrompete gelangt Reflux ins Mittelohr und kann dort Entzündungen auslösen. Besonders Kinder sind anfällig, da ihre Ohrtrompete kürzer und horizontaler ist als bei Erwachsenen.
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Augen — Pepsin wurde in der Tränenflüssigkeit von Reflux-Patienten nachgewiesen. Die Forschung ist hier noch am Anfang, aber es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang mit trockenen Augen.
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Zähne — Zahnschäden durch Reflux sind ein häufiges Problem in der Zahnmedizin. Anders als die meisten anderen Stiller-Reflux-Symptome wird die Zahnerosion hauptsächlich durch die Säure verursacht, nicht durch Pepsin. Aus den Zuschriften, die ich bekomme, fällt mir auf, dass Betroffene mit Zahnerosion durch Reflux oft kaum andere typische Refluxsymptome haben. Möglicherweise sind diese Menschen weniger empfindlich gegenüber Pepsin, bemerken ihren Reflux deshalb nie und behandeln ihn nicht, bis die Zahnschäden auffallen.
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Mund — Reflux wird mit Zungenbrennen in Verbindung gebracht.
Jeder Mensch hat eine etwas andere Anatomie und eine unterschiedliche Anfälligkeit in verschiedenen Bereichen. Deshalb hat nicht jeder die gleichen Symptome. Manche haben zum Beispiel nur Heiserkeit, aber keine der anderen Beschwerden.