Kann Stiller Reflux die Lunge betreffen?

Von Gerrit Sonnabend · Veröffentlicht

Ja. Reflux kann bis in die Lunge gelangen, und Pepsin schädigt dort nachweislich das Gewebe. Reflux spielt bei Asthma, chronischem Husten, und nach Lungentransplantationen eine wichtige Rolle. Auch bei COPD und Lungenfibrose ist Reflux auffällig häufig, auch wenn die Bedeutung dort weniger klar ist.

Wie Reflux die Lunge beeinflusst

Reflux kann die Lunge auf zwei Wegen beeinflussen: Erstens können kleine Mengen Mageninhalt bis in die Lunge gelangen und dort die Schleimhaut reizen. Zweitens kann Reflux in der Speiseröhre über den Vagusnerv Husten und eine Verengung der Atemwege auslösen, ohne dass überhaupt etwas in die Lunge gelangt. Beide Wege können zu chronischem Husten und Atemwegsbeschwerden beitragen.

Pepsin schädigt Lungengewebe

Das Verdauungsenzym Pepsin wurde in der Lungenspülflüssigkeit von Patienten mit verschiedenen Lungenerkrankungen nachgewiesen.

In einer Studie mit 120 Ratten verursachte Pepsin in der Lunge Gewebeveränderungen, die einer Lungenfibrose ähnelten.

Asthma und Reflux

Stiller Reflux und Asthma überlappen sich stark. Reflux kann Asthma-ähnliche Symptome wie Atemnot und Husten verursachen, bestehendes Asthma verschlimmern, und wird häufig als Asthma fehldiagnostiziert. Mehr dazu in meinem ausführlichen Artikel über Asthma und Reflux.

Lungentransplantationen

Die deutlichsten Belege für Reflux-bedingte Lungenschäden gibt es nach Lungentransplantationen. Pepsin in der Lungenspülflüssigkeit war bei Patienten mit akuter Abstoßung deutlich erhöht. Eine Übersichtsarbeit aus 2024 mit 20 Studien und über 1.000 Patienten kam zu dem Ergebnis, dass eine Anti-Reflux-Operation die Sterblichkeit nach Lungentransplantation um 61% senkte. Patienten, die operiert wurden, hatten eine bessere Lungenfunktion als unbehandelte Reflux-Patienten.

COPD und Lungenfibrose

Auch bei diesen Erkrankungen ist Reflux auffällig häufig:

Allerdings hat eine Reflux-Behandlung bei diesen Erkrankungen bisher keinen klaren Nutzen gezeigt. Das kann verschiedene Gründe haben: vielleicht ist der Schaden bereits angerichtet, die bisherigen Behandlungen greifen nicht ausreichend, oder Reflux ist bei diesen Erkrankungen eher eine Folge als eine Ursache.

Lungenerkrankungen verändern die Druckverhältnisse im Brustkorb und können dadurch selbst Reflux begünstigen.