Problematik Stiller Reflux Behandlung

Facharztchaos: Keiner erkennt und behandelt Stillen Reflux

 

Ok, die Überschrift ist etwas reißerisch. Natürlich gibt es Ärzte, die Ahnung von Stillem Reflux haben. Nur sind diese sehr selten. Man muss schon sehr lange suchen oder viel Glück haben, um einen zu finden.

Weswegen gibt es so wenige Ärzte, die Stillen Reflux richtig diagnostizieren und effizient behandeln können?

Ein großes Problem bei der Diagnose von Stillem Reflux ist erst einmal, dass kein einzelner Arzt für Diagnose und Behandlung des Stillen Reflux zuständig ist.

Die Symptome zeigen sich meist im Hals und in den Atemwegen. In manchen Fällen sogar in den Ohren, da diese über die sogenannte eustachische Röhre mit den Atemwegen verbunden sind.

 

Alternative 1 und 2: HNO und Lungenfachärzte

Meist gehen Patienten mit Stillem Reflux daher zum HNO. Manche Betroffene haben mit Asthma Probleme und besuchen deshalb einen Lungenfacharzt.

HNO oder Lungenfacharzt können jedoch sehr schwierig anhand der Symptome erkennen, dass es sich um Stillen Reflux handelt. Viele wissen auch nicht, was die Krankheit ist, da sie erst in den letzten Jahren an medizinischer Relevanz zugenommen hat.

Daher wird oft schlicht und ergreifend aus Mangel anderer Ideen nach dem Ausschlussverfahren etwas anderes diagnostiziert. Häufig wird aufgrund der Symptome eine Allergie vermutet, da beides zu Entzündungen in den Atemwegen führt. Die Probleme können sich auch ähneln.

 

Alternative 3: Gastroenterologen (”Magenärzte”)

Der Facharzt wiederum, der für die Ursache des Reflux zuständig ist, ist der Gastroenterologe. Zu deutsch: der Magenarzt. Jedoch fällt es auch dem Gastroenterologen schwer, eine Diagnose zu treffen.

Denn Patienten mit Stillem Reflux haben oft nur vergleichsweise leichten Reflux. In der Speiseröhre, für den der Gastroenterologe zuständig ist, hinterlässt dieser leichte Reflux oft keine Spuren, wie sie beispielsweise bei Patienten mit Sodbrennen zu finden sind.

Aus Sicht des Gastroenterologen ist also erst einmal kein Problem zu erkennen. Mit den Problemen in den Atemwegen kennt er sich nicht aus, da lässt er lieber den HNO zur Therapie ran.

 

Die Zuständigkeit wird hin- und hergeschoben

Genau dort liegt aber das Problem: KEINER sieht sich für die Stiller Reflux Behandlung zuständig.

Denn die Ursache liegt im Zuständigkeitsbereich des Gastroenterologen. Die Symptome liegen aber im Bereich des HNOs.

Eigentlich bräuchten wir einen Arzt, der sich mit beiden Bereichen auskennt, um den Stillen Reflux zu behandeln. Die vorhandenen Fachärzte sind bereits zu spezialisiert.

Viele verschiedene Begriffe vergrößern das Chaos

Für Stillen Reflux gibt es viele verschiedene Bezeichnungen. Das sich bisher noch keine zu 100% durchgesetzt hat liegt daran, dass Reflux meist nicht als Ganzes betrachtet wird. Stattdessen betrachten Fachrichtungen nur die Symptome in ihrem Teilbereich – und in diesen Fachrichtungen haben sich dann konkurrierende Begriffe entwickelt.

Der häufigste medizinische Terminus ist laryngopharyngealer Reflux (kurz LPR). Der Begriff ist mittlerweile dominierend. Er impliziert, dass Stiller Reflux sich nur im Hals (Larynx) und Kehlkopf (Pharynx) abspielt. Das ist aber nicht korrekt, da Stiller Reflux alle Organe mit Zugang zu den Atemwegen betreffen kann.

Extraösophagealer Reflux hört man auch manchmal. Das heißt so viel wie „Reflux, der über die Speiseröhre hinaus geht“. Gas-Reflux oder gasförmiger Reflux ist eine einfache Variante, die man auch manchmal hört. Daneben gibt es unter Medizinern noch viele andere Begriffe, die man aber seltener hört.

Stiller Reflux stammt übrigens vom englischen „Silent Reflux“. Der Begriff wurde erstmals von einer Ärztin, Dr. Jamie Koufman, verwendet. Er sollte beschreiben, dass der Reflux schwierig als solcher zu erkennen geht, da die meisten Menschen keine Schmerzen während dem Reflux selbst haben, wie das bei Sodbrennen der Fall ist. Der Begriff hat sich aber unter Ärzten durchgesetzt – klang wahrscheinlich nicht kompliziert genug. Von Patienten wird er aber gerade aus diesem Grund stärker verwendet.

 

Kaum ein Arzt hat das gesamte nötige Wissen

Es gibt zwar Ärzte, die sich selbst Fachwissen über beide Bereiche und entsprechende Therapien angeeignet haben.

Jedoch sind diese die Ausnahme.

Wer einfach nur zu einem Facharzt in seiner Nähe geht, muss Glück haben, um an einen solch umfassend ausgebildeten Arzt zu gelangen. Es ist einfach wirklich sehr schwierig jemanden zu finden, der sich mit Stiller Reflux Behandlung auskennt.

 

Keine Zeit für die umfangreiche Diagnosegespräche

Kein Arzt hat Zeit, die Uhr steht unter Druck

Die Diagnose des Stillen Reflux allein über optische Untersuchungen ist zudem schwer. Es braucht eher eine tiefgehende Besprechung der Symptome, um einen Stillen Reflux diagnostizieren  und behandeln zu können. Aber wann erlebt man das beim Arzt schon einmal?

In den wenigsten Arztpraxen ist Zeit für lange Konsultationen. Krankenkassen bezahlen für Gespräche außerdem nur einen Bruchteil von dem, was sie dem Arzt für eine schnelle optische Untersuchung der Atemwege zahlen.

 

Unnötige Einschränkungen der Lebensqualität durch fehlende Diagnose

Da die Symptome von Stillem Reflux selten erkannt werden erfolgt auch selten eine passende Therapie.

Das zieht die Probleme in die Länge. Desto länger man Stillen Reflux hat, desto stärker werden auch die natürlichen Schutzbarrieren des Körpers geschwächt.

Dadurch wird anschließend auch eine Behandlung immer schwieriger und langwieriger.

 

Probleme im deutschen Gesundheitssystem

Ich will damit nicht sagen, dass die deutschen Ärzte etwas falsch machen. Würden sie sich für jeden Patienten plötzlich viel mehr Zeit nehmen, würde unser Gesundheitssystem an den Rande des Kollaps getrieben. Denn bereits jetzt kann es in vielen Gegenden Deutschlands Monate dauern, um einen Facharzttermin zu bekommen. Würden sich Fachärzte mehr Zeit nehmen, würde sich diese Wartezeit ebenfalls massiv verlängern.

Wobei man natürlich vermuten kann, dass durch bessere Behandlung auch die Patienten weniger oft zurückkommen müssten. Wie auch immer handelt es sich meiner Ansicht nach um ein Systemproblem, keinen Fehler der Ärzte.

Jedoch müssen wir als Betroffene schauen, wie wir mit diesen Systemfehlern umgehen.

Ich bin davon überzeugt, dass man der Anwalt seiner eigenen Gesundheit sein muss.

Man muss sich selbst aktiv mit seiner Gesundheit beschäftigen und sie verstehen. Das bedeutet in der Folge auch: man muss pro-aktiv dafür sorgen, dass man die richtigen Untersuchungen und Therapien für sich bekommt.

Stiller Reflux Onlinetest RSI