Tee bei Reflux

Von Gerrit Sonnabend · Veröffentlicht

Tee ist bei Reflux fast immer unproblematisch, auch koffeinhaltige Sorten wie grüner und schwarzer Tee. Das gilt für Sodbrennen genauso wie für Stillen Reflux. Damit ist Tee eine gute Alternative zu Kaffee, der ein häufiger Refluxauslöser ist.

In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Teesorten bei Reflux unbedenklich sind, welche Mythen es gibt und worauf du achten solltest.

Grüner und schwarzer Tee

Koffeinhaltige Tees wie grüner und schwarzer Tee sind bei Reflux unproblematisch. Wendl et al. (1994) zeigten in einer Studie mit ambulanter pH-Messung, dass Tee keinen Reflux auslöst und sich nicht anders verhält als Wasser, obwohl er Koffein enthält.

Eine große Meta-Analyse (Cao et al. 2019, 30 Studien) bestätigt das im Wesentlichen: es gibt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Teekonsum und Reflux. Regionale Unterschiede existieren (leicht erhöhtes Risiko in Ostasien, leicht verringertes in Zentralasien), was eher auf Zubereitungsart und Begleitumstände hindeutet als auf den Tee selbst.

Saure Tees: Hibiskus, Hagebutte und andere Früchtetees sind problematisch

Bei Sodbrennen / GERD verursacht Hibiskustee keinen Reflux an sich, aber die Säure kann eine bereits gereizte Speiseröhre zusätzlich reizen. Ob du ihn verträgst, hängt von deiner individuellen Empfindlichkeit ab. Ich würde ihn meiden.

Bei Stillem Reflux ist Hibiskustee eine sehr schlechte Idee. Die Säure kann Pepsine im Rachen reaktivieren, die dort durch Reflux abgelagert wurden. Reaktivierte Pepsine greifen die Schleimhäute an und verstärken die Symptome. Ein pH-Wert von 2,5 bis 3,5 reicht dafür locker aus.

Tückisch ist, dass man die Säure nicht immer schmeckt. Gesüßter Hibiskustee schmeckt kaum sauer, ist es aber trotzdem. Aus eigener Erfahrung: selbst als mein Reflux schon unter Kontrolle war, hat ein Glas gesüßter Hibiskustee meine Stiller-Reflux-Symptome für den Rest des Tages aufflammen lassen.

Hagebuttentee ist ebenfalls säuerlich, wenn auch nicht ganz so extrem wie Hibiskus. Auch diese Teesorten würde ich bei Sodbrennen meiden, definitiv bei Stillem Reflux.

Auch die klassischen Früchtetee-Mischungen aus dem Supermarkt enthalten oft Hibiskus als Hauptbestandteil, also lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Generell sind Früchtetees immer sauer. Denn was wir vom Geschmack her als fruchtig empfinden, ist ganz einfach die Säure. Leicht saure Tees sind noch OK, wenn du nur Sodbrennen hast und keine Verschlimmerung der Symptome spürst. Bei Stillem Reflux würde ich alle sauren Tees komplett vermeiden.

Pfefferminztee: es kommt darauf an

Pfefferminztee hat den Ruf, Reflux auszulösen, weil Pfefferminze angeblich den unteren Ösophagussphinkter (den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen) entspannt. Dieses Bild stimmt so nicht.

Die Behauptung geht auf eine einzige Studie von 1969 zurück, in der konzentriertes Pfefferminzöl direkt auf den Schließmuskel aufgebracht wurde. Das ist eine völlig andere Situation als eine Tasse Pfefferminztee zu trinken.

Seitdem haben mehrere moderne Studien mit hochauflösender Manometrie gezeigt, dass Menthol den Schließmuskel nicht messbar beeinflusst. Auch eine weitere Studie aus 2024 fand keinen Effekt auf den Sphinkterdruck.

Generell würde ich Pfefferminztee in der Akutphase einfach meiden. So vermeidest du eine weitere potenzielle Irritationsquelle. Wenn du deine Symptome unter Kontrolle hast, und während des Konsums von Pfefferminztee keine unmittelbaren Probleme spürst, dann sehe ich kein Problem beim Konsum.

Ingwertee

Ingwer wird häufig bei Verdauungsbeschwerden empfohlen. Zudem kann die warme Schärfe von Ingwer paradoxerweise die irritierten Schleimhäute beruhigen. In kleinen Mengen finde ich Ingwertee mit etwas Honig persönlich angenehm, besonders wenn mein Hals in der Vergangenheit durch Stillen Reflux gereizt war. Zu viel Ingwer kann allerdings selbst irritieren. Also nicht übertreiben.

Meiner Erfahrung nach finden manche Menschen Ingwer bei Reflux angenehm, andere gar nicht. Du kannst es einfach ausprobieren. Schaden richtet es keinen an.

Kräutertees

Generell sind Kräutertees bei Reflux unproblematisch.

Grundsätzlich kann natürlich jedes Kraut irgendeinen Effekt haben, der auch Reflux beeinflussen könnte. Ich kann dir also nicht garantieren, dass nicht irgendwelche Tees existieren, die schlecht bei Reflux sind. Es gibt aber keine Studien, die einen negativen Effekt von beliebten Tees wie Rooibos, Kamille, Fenchel oder ähnlichen Kräutertees auf Reflux zeigen. Ich kenne auch sonst keine negativen Erfahrungen mit Kräutertees, abgesehen vom bereits behandelten Pfefferminztee.

Einige Kräuter stechen positiv hervor:

Kamille gilt als beruhigend für den Magen und wird häufig bei Verdauungsbeschwerden empfohlen. Die enthaltenen Stoffe (insbesondere Apigenin) wirken entzündungshemmend, zumindest in Laborstudien. Klinische Studien, die eine Wirkung von Kamillentee auf Reflux belegen, gibt es aber nicht. Schaden tut er jedenfalls nicht.

Fenchel hat in Laborstudien eine vielversprechende Doppelwirkung gezeigt: er entspannt den oberen Magen (was den Druck reduziert) und regt gleichzeitig die Magenentleerung im unteren Bereich an. Beides könnte bei Reflux helfen. Allerdings sind das bisher nur Ergebnisse aus Tierversuchen, keine Studien am Menschen.