Kaffee bei Reflux

Von Gerrit Sonnabend · Veröffentlicht

Kaffee ist eines der Getränke, die bei Reflux am häufigsten als Auslöser genannt werden. Das gilt für Sodbrennen genauso wie für Stillen Reflux. Aber die Gründe dafür sind andere, als die meisten denken.

Kaffee bei Reflux: Was hilft, was schadet?

In diesem Artikel schauen wir uns an, was genau Kaffee bei Reflux problematisch macht, welche Kompromisse du eingehen kannst, um trotzdem Kaffee zu trinken, und welche refluxfreundlichen Alternativen es gibt.

Koffeinfreier Kaffee

Der Entkoffeinierungsprozess wäscht nicht nur Koffein aus den Bohnen, sondern auch andere Inhaltsstoffe, darunter die refluxauslösenden. Das ist der Hauptgrund, warum entkoffeinierter Kaffee weniger Reflux verursacht. Wie viel weniger, dazu gibt es keine hilfreichen Studien. Aus eigener Erfahrung und Rückmeldungen von Lesern: ja, koffeinfreier Kaffee verursacht weniger Reflux als normaler Kaffee. Aber weniger heißt nicht keinen.

Zudem haben Kaffeehersteller in den letzten Jahren ihre Verfahren verbessert, um mehr Geschmack zu erhalten. Damit bleiben aber auch mehr refluxauslösende Stoffe in den Bohnen. Moderner Entkoffeinierter verursacht also vermutlich mehr Reflux als früher.

Dazu kommt: wer entkoffeinierten Kaffee trinkt, trinkt oft mehr davon, weil der Wachmacher-Effekt fehlt. Damit kann sich der Vorteil schnell wieder aufheben, da man zwar weniger Reflux pro Tasse hat, aber dafür nun mehr Tassen trinkt.

Meine persönliche Meinung: entkoffeinierter Kaffee schmeckt nicht besonders, macht nicht wach, verursacht aber trotzdem Reflux. Wenn du deinen Kaffeekonsum wegen Reflux einschränken willst, würde ich eher weniger normalen Kaffee trinken oder ganz auf Kaffeealternativen umsteigen (siehe weiter unten).

Dunkle Röstung ist magenfreundlicher

Rubach et al. (2014) verglichen dunkle und mittlere Röstungen mit nahezu identischem Koffeingehalt (607 vs. 674 mg/L). Die dunkle Röstung regte die Magensäureproduktion deutlich weniger an.

Der Grund: Beim Rösten verändern sich die Inhaltsstoffe. Dunkle Röstungen enthalten weniger Chlorogensäuren (323 vs. 1126 mg/L) und weniger C5HTs (0,012 vs. 0,343 mg/L). Gleichzeitig entsteht durch das Rösten mehr N-Methylpyridinium (NMP), eine Verbindung, die die Magensäureproduktion hemmt.

Kurz: je dunkler die Röstung, desto magenfreundlicher. Espresso-Röstungen sind typischerweise dunkler als Filterkaffee-Röstungen.

Vergleich der Inhaltsstoffe: Dunkle vs. Mittlere Röstung

Zubereitungsmethode: Espresso, Filter, French Press

Es gibt keine Studien, die verschiedene Zubereitungsmethoden direkt hinsichtlich Reflux vergleichen. Aus eigener Erfahrung habe ich zwischen Espresso, French Press und Filterkaffee keinen Unterschied beim Reflux bemerkt. Wie zuvor bereits geschrieben, sind Espressoröstungen aber verträglicher, die in manchen Zubereitungsmethoden eher verwendet werden, als in anderen.

Kaffeealternativen

Kaffeealternativen wie Getreidekaffee (Caro Kaffee, Malzkaffee), Zichorienkaffee oder Pilzkaffee haben auf chemischer Ebene nicht mehr mit Kaffee gemeinsam als ein beliebiger Tee oder ein anderes Aufgussgetränk. Die refluxauslösenden Inhaltsstoffe (Chlorogensäuren, C5HTs, Kaffeewachse) kommen nur in echtem Kaffee vor.

Das heißt nicht, dass diese Getränke grundsätzlich keinen Reflux auslösen können, aber wenn sie es tun, hat das nichts mit den Mechanismen zu tun, die bei Kaffee Reflux verursachen. Mir ist niemand bekannt, der von Getreidekaffee oder ähnlichen Alternativen Reflux berichtet hat, und Studien dazu gibt es ebenfalls nicht. Ich würde erwarten, dass sie bei Reflux problemlos verträglich sind.

Ein Hinweis zu Pilzkaffee: viele Produkte enthalten echten Kaffee als Basis, ergänzt um Pilzextrakte. In dem Fall gelten die gleichen Einschränkungen wie bei normalem Kaffee.

Mein persönlicher Kompromiss

Ich trinke morgens eine Tasse Kaffee. Ja, ich merke, dass es Reflux auslösen kann. Aber ich brauche morgens meinen Kaffee, und diese eine Tasse am Tag ist mein Kompromiss.

Mittlerweile ist mein Reflux aber auch unter Kontrolle. Ich behalte nur grundlegende Maßnahmen bei. Als mein Reflux noch nicht unter Kontrolle war, habe ich zumindest für ein paar Monate auf Kaffee komplett verzichtet, da er für mich einer der stärksten Auslöser war.