Kann Stiller Reflux Allergien verschlimmern?
Reflux und Umweltallergien wie Heuschnupfen betreffen dieselben Schleimhäute in Nase, Rachen und Atemwegen. Und sie treten auffällig oft gemeinsam auf: Menschen mit Stillem Reflux haben etwa 2,5-mal häufiger eine Pollenallergie als Menschen ohne Reflux. Die Forschung zeigt, dass sich beide Erkrankungen gegenseitig verstärken.
Reflux und Allergien treten auffällig oft gemeinsam auf
In einer Studie, in der Stiller Reflux mit 24-Stunden-pH-Messung bestätigt wurde, hatten 85% der Reflux-Patienten gleichzeitig eine allergische Rhinitis. Ohne Reflux waren es 48%.
Dieser Zusammenhang besteht auch dann, wenn man Asthma-Patienten aus der Auswertung ausschließt. Asthma überschneidet sich mit beiden Erkrankungen, ist aber nicht die eigentliche Verbindung.
Je stärker der Reflux, desto stärker die Allergiesymptome. Eine Studie aus 2025 fand bei Patienten mit saisonaler Pollenallergie: Je höher die Pepsin-Werte im Speichel (ein Hinweis auf Stillen Reflux), desto stärker waren die Allergiesymptome.
Warum verstärken sich Reflux und Allergien?
Die Schleimhäute in Nase, Rachen und Atemwegen sind eine Schutzbarriere. Sie halten Allergene und Reizstoffe ab. Pepsin, das Verdauungsenzym aus dem Magen, beschädigt diese Barriere. Es zerstört die Verbindungen zwischen den Schleimhautzellen und macht die Schleimhaut durchlässiger.
Wenn Reflux die Schleimhaut geschwächt hat, werden Allergiesymptome verschlimmert. Der Körper reagiert stärker auf Pollen oder Hausstaubmilben, weil die Schutzschicht bereits geschädigt ist.
Dazu kommt: Reflux und Allergien treiben ähnliche Entzündungsreaktionen an. Reflux aktiviert Mastzellen in der Schleimhaut. Das sind die Zellen, die bei allergischen Reaktionen Histamin freisetzen. Wenn eine Entzündung durch den Reflux bereits läuft, braucht es weniger, um eine allergische Reaktion auszulösen. Die beiden Erkrankungen schaukeln sich gegenseitig hoch.
Hilft eine Refluxbehandlung gegen Allergien?
Säureblocker verbessern Allergiesymptome nicht. In einer Studie mit Omeprazol über 6 Wochen besserten sich die Refluxbeschwerden, die Allergie blieb gleich. Allerdings haben wir auf Refluxgate mehrfach besprochen, dass Säureblocker bei Stillem Reflux nicht besser als Placebo wirken.
Bisher wurde nur getestet, ob Säureblocker Allergien beeinflussen. Säureblocker verhindern nicht den Reflux selbst, sie machen ihn nur weniger sauer. Da Pepsin die Schleimhaut schädigt und nicht die Säure, ist es denkbar, dass Maßnahmen, die den Reflux insgesamt reduzieren, anders wirken. Eine Anti-Reflux-Diät oder Gaviscon Advance setzen am Reflux selbst an, nicht nur an der Säure. Ob das die Allergiesymptome beeinflusst, ist nicht untersucht.
Bei mir persönlich wurden meine Allergien deutlich erträglicher, nachdem ich meinen Reflux in den Griff bekommen habe.