Mythos: Verursacht Minze Reflux?

Von Gerrit Sonnabend · Veröffentlicht

Minze hat den Ruf, Reflux auszulösen. Das gilt für Sodbrennen genauso wie für Stillen Reflux. Dieser Mythos basiert auf veralteter Forschung und ist so nicht korrekt.

Minze bei Reflux: Die Menge macht das Gift

Woher kommt der Mythos?

Die Behauptung, Minze entspanne den unteren Ösophagussphinkter (den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen) und verursache dadurch Reflux, geht auf eine einzige Studie von 1969 zurück. In dieser Studie wurde konzentriertes Pfefferminzöl direkt auf den Schließmuskel aufgebracht. Das ist eine völlig andere Situation als Minze in normalen Mengen zu konsumieren.

Seitdem haben mehrere moderne Studien mit hochauflösender Manometrie gezeigt, dass Menthol den Schließmuskel nicht messbar beeinflusst. Auch eine Studie aus 2024 fand keinen Effekt auf den Sphinkterdruck.

Krauseminze (Spearmint) ist noch klarer: eine doppelblinde Studie zeigte, dass selbst die 1000-fache Menge der üblichen Dosierung keinen Einfluss auf den Sphinkterdruck oder Reflux hatte.

Minze kann irritieren, verursacht aber keinen Reflux

Bancovčin et al. (2024) fanden allerdings, dass Menthol in normalen Mengen bei Reflux-Patienten deutlich mehr Sodbrennen-Empfindungen auslöst als bei gesunden Probanden (Schmerzskala 6,0 vs. 1,7), obwohl es den Schließmuskel nicht beeinflusst.

Das liegt vermutlich an einer direkten Reizung der Nerven in der Speiseröhre, nicht an tatsächlichem Reflux. Bei empfindlicher Speiseröhre kann sich Minze also unangenehm bis schmerzhaft anfühlen, ohne dass sie Reflux verursacht. Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn das bedeutet, dass du nur aufpassen musst, wenn du in der aktiven Phase der Refluxerkrankung bist, um weitere Irritation zu vermeiden. Aber Minze verursacht nie selbst Reflux.

Die Menge macht das Gift

Der irritierende Effekt ist nur in starker Konzentration relevant, wie bei Pfefferminztee. Bei akuter Speiseröhrenentzündung und Sodbrennen würde ich Pfefferminztee meiden. Bei vielen Personen facht Pfefferminztee die Symptome an. Bei Stillem Reflux ist Pfefferminztee meiner Erfahrung nach verträglicher als bei Sodbrennen.

Wo Minze kein Problem ist

Kaugummi: Die Mentholkonzentration in Kaugummis ist viel zu gering, um Probleme auszulösen. Kaugummikauen ist bei Reflux sogar positiv, da es die Speichelproduktion anregt. Speichel ist leicht alkalisch und hilft, Säure in der Speiseröhre zu neutralisieren.

Medikamente: Manche Reflux-Medikamente wie Gaviscon enthalten Minzaroma. Die Mengen sind minimal und kein Grund zur Sorge.

Zahnpasta: Kein Problem. Der Kontakt ist kurz und die Konzentration gering.

Wo du aufpassen solltest

Pfefferminztee in großen Mengen kann bei empfindlicher Speiseröhre irritieren (siehe oben). In der Akutphase würde ich ihn meiden. Sobald deine Symptome unter Kontrolle sind und du keine Probleme beim Trinken spürst, ist er unbedenklich. Mehr dazu im Artikel über Tee bei Reflux.

Pfefferminzöl-Kapseln sind eine andere Geschichte. Sie werden bei Reizdarmsyndrom eingesetzt und enthalten hochkonzentriertes Pfefferminzöl. Sodbrennen ist die häufigste Nebenwirkung. Magensaftresistente Kapseln umgehen das Problem teilweise, da sie sich erst im Darm auflösen.