Refluxoperationen: Optionen neben der Fundoplicatio
Die Fundoplicatio ist der Goldstandard unter den Reflux-Operationen. Sie wird seit 70 Jahren durchgeführt, hat 22-Jahres-Langzeitdaten und eine Erfolgsrate von 80% auch nach zwei Jahrzehnten. Kein anderes Verfahren hat eine vergleichbare Datenbasis.
Trotzdem tauchen regelmäßig andere Verfahren auf. Manche sind vielversprechend, manche sind gescheitert, und bei vielen ist die Datenlage zu dünn, um eine fundierte Aussage zu machen. In diesem Artikel gebe ich einen Überblick.
Da die Datenlage so wichtig ist, um die Operationsmethoden einzuschätzen, teile ich die Refluxoperationen in "Gute Datenlage", "Begrenzte Datenlage" und "Geringe Datenlage" ein.
Einige der Verfahren sind in Deutschland, Österreich und Schweiz nicht verfügbar, jedoch in anderen Ländern. Ich liste sie trotzdem hier auf, da die Verfügbarkeit sich oftmals verändert.
Die Daten aus diesem Artikel sind generell zu Speiseröhrenreflux. Bei Stillem Reflux ist schon bei der Fundoplicatio die Datenlage begrenzt. Bei anderen Operationsverfahren gibt es nur sehr wenige bis gar keine Daten zum Erfolg bei Stillem Reflux.
Etabliert: Fundoplicatio
Die Fundoplicatio ist das einzige Verfahren mit umfangreichen, unabhängigen Langzeitdaten. Die Details habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben: Erfolgsraten, Nissen vs. Toupet, Komplikationen, Langzeitwirkung und die besondere Situation bei Stillem Reflux.
Wenn ich hier von der Fundoplicatio spreche, reden wir immer von der modernen, minimalinvasiven Version (Schlüsselloch-Chirurgie). Es gibt verschiedene Varianten, vor allem Nissen (360°) und Toupet (270°), die sich im Grad der Umwicklung unterscheiden. Die Details dazu stehen im Fundoplicatio-Artikel.

Begrenzte Daten: Verfahren mit mäßiger Studienlage
Die folgenden Verfahren haben zumindest eine nennenswerte Anzahl an Studien und Patienten. Sie sind in internationalen Leitlinien erwähnt, haben aber eine deutlich geringere Datenlage als die Fundoplicatio.
LINX (Magnetring) - in Europa nicht mehr verfügbar
LINX ist ein Ring aus Magnetperlen, der um das Ventil implantiert wurde. Johnson & Johnson hat das Implantat seit März 2026 vom europäischen Markt genommen. Es wird nur noch in den USA angeboten.
Die Idee hinter dem Implantat ist an sich interessant: Das Magnetband soll die Kraft des unteren Ösophagussphinkter von außen stärken. Der Gedanke war, dass die Anatomie verstärkt, nicht verändert werden soll.

Kurzfristig erzielte LINX laut Studien ähnliche Ergebnisse wie die Fundoplicatio. Die meisten der Studien waren jedoch vom Hersteller finanziert. Viele Operateure haben mir berichtet, dass ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Implantat weitaus schlechter waren, als es aus den Studien ersichtlich war. Die Komplikationsrate ist zudem deutlich höher als bei der Fundoplicatio. Die versprochene "Reversibilität" hielt der Realität nicht stand. Die Details habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
| LINX | Fundoplicatio | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Magnetring um das Ventil | Magenmanschette |
| PPI-frei (1-5 Jahre) | ~85% | ~82% |
| Blähbauch | 3% | 24-31% |
| Schluckprobleme | Häufiger, 11% brauchen Dehnung | 1,5-4,4% dauerhaft |
| Erneute OP nötig | 4-28% | ~10% |
| Langzeitstudiendaten | 10+ Jahre | 20+ Jahre |
| Verfügbar in Deutschland | Nein (seit 03/2026) | Ja |
Stretta (Radiofrequenzbehandlung) - in Deutschland nicht verfügbar
Technisch gesehen ist Stretta keine Operation, da keine Schnitte im Körper vorgenommen werden. Bei Stretta wird Radiofrequenzenergie über ein Endoskop auf den Schließmuskel abgegeben. Der Eingriff ist ambulant, minimal-invasiv und hat ein niedriges Komplikationsrisiko.
Wie das Verfahren genau funktioniert, ist stark umstritten. Ursprünglich wurde vermutet und kritisiert, dass es zur Narbenbildung, Zerstörung und Verhärtung des Gewebes führt. Das hat sich in Studien nicht bestätigt. Der Mythos hält sich jedoch und wird oft auf anderen Websites wiederholt.
Was jedoch der Wirkmechanismus wirklich ist, ist unklar. Der ursprüngliche Hersteller verspricht, dass die Behandlung die Muskelbildung im unteren Ösophagussphinkter fördert. Dazu gibt es sich widersprechende Studiendaten. Ein anderer möglicher Wirkmechanismus ist eine veränderte Nervenfunktion.
Was die Daten zeigen:
Die Studienlage zu Stretta ist widersprüchlich. In einer Auswertung von 28 Studien mit 2.468 Patienten verbesserten sich Symptome und Lebensqualität deutlich. Langzeitdaten über 8 Jahre zeigen, dass 77% der Patienten auch nach 8 Jahren ohne Säureblocker auskamen.
In drei kleinen Studien mit Scheinbehandlung (ähnlich wie Placebo, nur stattdessen eine Scheinoperation) als Vergleich zeigte sich kein Unterschied zwischen Stretta und der Scheinbehandlung. Diese Studien werden oft zitiert, sind aber klein (insgesamt nur 165 Patienten).
Das Strettaverfahren sticht heraus, da es zusätzlich zu einer Operation durchgeführt werden kann. Sowohl davor als auch danach. Auch mehrmalige Behandlungen sind möglich.
Im Gegensatz zu einer OP dauert es bis zu 12 Monate, bis die vollen Effekte der Behandlung einsetzen. Es ist also keine sofortige Abhilfe für Symptome. Zudem ist der Effekt einer Strettabehandlung generell geringer als bei einer OP.
Stretta wird nicht in Deutschland durchgeführt, aber in einigen anderen europäischen Ländern. Generell hat sich Stretta auch aus finanziellen Gründen nie durchgesetzt. Der ursprüngliche Entwickler und Hersteller des nötigen Equipments ist bankrott gegangen. Der Vertrieb wurde von einem anderen Unternehmen übernommen, das dann ebenfalls Pleite gegangen ist. Ein anderes Unternehmen hat nun die Rechte für Stretta erworben.
| Stretta | Fundoplicatio | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Radiofrequenz am Ventil | Magenmanschette |
| PPI-frei (5+ Jahre) | 46-77% | ~80% |
| Wirkungseintritt | 6-12 Monate | Sofort |
| Nebenwirkungen | Sehr gering & fast immer vorübergehend | Blähbauch 24-31%, Schluckprobleme 1,5-4,4% |
| Langzeitstudiendaten | 10+ Jahre | 20+ Jahre |
| Datenlage | Widersprüchlich | Umfangreich |
| Verfügbar in Deutschland | Nein (aber in einigen EU-Ländern) | Ja |
TIF (Transorale Inzisionslose Fundoplikatio) - in Deutschland nicht verfügbar
TIF wird über den Mund durchgeführt, ohne Schnitte am Bauch. Ein patentiertes Gerät (EsophyX) erstellt eine Teilmanschette am Mageneingang mit Kunststoff-Clips. Die Idee: Eine Art Mini-Fundoplicatio von innen, ohne die Risiken einer normalen OP.
Was die Daten zeigen:
Generell ist TIF eine langfristig schlechte Option.
In einer Auswertung von 7 Studien mit 1.128 Patienten war TIF der Fundoplicatio bei der Säurereduktion deutlich unterlegen. Die Autoren empfahlen TIF nicht als langfristige Alternative. In der besten kontrollierten Studie (TEMPO-Trial, 5 Jahre) waren nur 46% der TIF-Patienten komplett ohne Säureblocker. Zum Vergleich: Bei der Fundoplicatio sind es rund 80%.
Etwa 22% der TIF-Patienten brauchen innerhalb weniger Jahre eine Fundoplicatio als Nachoperation. Das heißt: Rund jeder fünfte Patient landet am Ende doch bei der OP, die er ursprünglich vermeiden wollte.
Problem bei Nachoperationen:
TIF hinterlässt Spuren. Bei Patienten, die nach gescheitertem TIF eine Fundoplicatio brauchten, fanden Chirurgen in 95% der Fälle Kunststoff-Clips, die in das Zwerchfellgewebe eingewachsen waren. Bei 21% hatten sich kleine Ausbuchtungen (Divertikel) im Gewebe gebildet. Die Fundoplicatio war in den meisten Fällen trotzdem durchführbar, aber technisch anspruchsvoller als eine normale Erstoperation.
TIF wird als "weniger invasiv" vermarktet. Das stimmt technisch: keine Schnitte, kein Eingriff in der Bauchhöhle. Aber "weniger invasiv" bedeutet nicht "weniger Probleme". TIF versagt deutlich häufiger. Rund jeder fünfte Patient braucht anschließend doch eine Fundoplicatio, die durch die vorherige TIF erschwert ist. Zudem wird die Fundoplicatio heutzutage ohnehin minimalinvasiv durchgeführt, mit wenigen kleinen Schnitten, um Kamera und Instrumente in den Bauchraum einzuführen.
Im Ergebnis kann die "weniger invasive" Option mehr Probleme verursachen als die OP, die man vermeiden wollte. Ein Gastroenterologe hat es mir gegenüber einmal so ausgedrückt: "Wenn man schon eine OP machen will, dann kann man es auch gleich richtig machen [also eine normale Fundoplicatio]."
TIF kommt nur für einen kleinen Teil der Reflux-Patienten in Frage: Zwerchfellbruch unter 2 cm, keine schwere Speiseröhrenentzündung. Das schließt viele Patienten aus, die eine OP brauchen.
Meines Wissens nach wird TIF derzeit in Deutschland nicht angeboten.
| TIF | Fundoplicatio | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Teilmanschette von innen (Clips) | Magenmanschette von außen (Nähte) |
| PPI-frei (5 Jahre) | 46% | ~80% |
| Nebenwirkungen | Gering unmittelbar, aber 22% brauchen danach doch eine Fundoplicatio | Blähbauch 24-31%, Schluckprobleme 1,5-4,4% |
| Erneute OP nötig | ~22% | ~10% |
| Langzeitstudiendaten | 5+ Jahre | 20+ Jahre |
| Einschränkung | Nur kleine Hernien, keine schwere Ösophagitis | Breit einsetzbar |
| Verfügbar in Deutschland | Nein | Ja |
Wenig Daten: Einzelne Chirurgen, eigene Verfahren
BICORN (PD Dr. Ablassmaier, München)
Das BICORN-Verfahren (BIological COnservative ReconstructioN) wird von PD Dr. Bernd Ablassmaier am Reflux Zentrum München durchgeführt. Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der Fundoplicatio: Statt eine Magenmanschette um die Speiseröhre zu legen, rekonstruiert BICORN den His-Winkel und den Zwerchfelldurchgang, ohne den Magenfundus umzuwickeln. Der Magen bleibt in seiner natürlichen Form erhalten.
Die Idee basiert auf der anatomischen Forschung von Stelzner über das Muskelfaser-Schraubensystem am unteren Ende der Speiseröhre. Dieses System erzeugt eine natürliche Hochdruckzone, die Reflux verhindert. Laut Stelzner ist die Wiederherstellung der Spannung in diesem System der entscheidende Schritt, und eine Magenmanschette wäre eine Überkorrektur, die unnötige Nebenwirkungen verursacht.
Was die Daten zeigen:
Zwei Dissertationen (Charité Berlin 2014, 293 Patienten; LMU München 2022, 231 Patienten) berichten über positive Ergebnisse: 77% Patientenzufriedenheit, deutliche Verbesserung der Lebensqualität, Reduktion der PPI-Einnahme um 52%, niedrigere Schluckbeschwerde- und Komplikationsraten, und kürzere OP-Zeiten als bei der Fundoplicatio.
Beide Studien stammen aus derselben Klinik und haben keine Kontrollgruppe. Die Autoren beider Arbeiten empfehlen selbst die Durchführung kontrollierter Vergleichsstudien, die bisher nicht stattgefunden haben. Kein anderes Zentrum hat das Verfahren übernommen.
| BICORN | Fundoplicatio | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | His-Winkel-Rekonstruktion, keine Manschette | Magenmanschette |
| PPI-frei | PPI-Reduktion um 52% | ~80% PPI-frei |
| Nebenwirkungen | Schluckprobleme 1,7%, Blähbauch niedrig (Aufstoßen bleibt möglich) | Blähbauch 24-31%, Schluckprobleme 1,5-4,4% |
| Erneute OP nötig | 6% | ~10% |
| Langzeitstudiendaten | Bis 4 Jahre | 20+ Jahre |
| Datenlage | ~500 Patienten, eine Klinik | Hunderte Studien, vermutlich 1 Million+ OPs weltweit |
| Verfügbar in Deutschland | Ja (eine Klinik in München) | Ja |
Der Ansatz ist konzeptionell interessant und anatomisch gut begründet. Ob BICORN in der Praxis der Fundoplicatio überlegen, gleichwertig oder unterlegen ist, lässt sich ohne Vergleichsstudien nicht beurteilen.
l.oe.h.d.e.-Verfahren (PD Dr. Loehde, Berlin)
Das l.oe.h.d.e.-Verfahren wurde von PD Dr. Eckhard Loehde am Berliner Zentrum für Leisten- und Zwerchfellbruch entwickelt. Statt einer Fundoplicatio wird ein patentiertes 3D-Netz ("DeltaMesh") in die Zwerchfellmuskulatur integriert, um den Zwerchfelldurchgang zu stabilisieren. Keine Nähte an Speiseröhre oder Magen.
Eine prospektive Studie mit 1.351 Patienten über 10 Jahre (2007-2016) berichtet eine Rezidivrate von 6,7%, eine deutliche Symptomverbesserung in allen Kategorien, und 82% der Patienten würden sich erneut operieren lassen. Die Nachverfolgungsrate nach 5 Jahren war allerdings nur 15%, was die Langzeitaussagen einschränkt. In 5 Fällen (0,4%) ist das DeltaMesh in die Speiseröhre oder den Magen eingewachsen. Die Studie hat keine Kontrollgruppe, und Dr. Loehde hält das Patent auf das DeltaMesh.
Experimentelle Verfahren
RefluxStop
RefluxStop ist ein Silikonimplantat, das den His-Winkel am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen wiederherstellt. Es wird laparoskopisch implantiert und soll die natürliche Antirefluxbarriere wiederherstellen, ohne die Speiseröhre zu umschließen. Hergestellt von Implantica (Schweiz, börsennotiert an der Nasdaq Stockholm). CE-zertifiziert, FDA-Zulassung beantragt aber noch ausstehend.
Was die Daten zeigen:
Die 5-Jahres-Daten aus der Hauptstudie (nur 50 Patienten, keine Kontrollgruppe) berichten: 92-100% normalisierte Säurewerte (je nach Definition), 98% ohne tägliche Säureblocker, keine Implantatentfernungen oder -wanderungen. Die Studie wurde von Implantica finanziert, und der Hauptautor erhielt Honorare vom Hersteller.
Alle veröffentlichten Studien stammen von Autoren mit finanziellen Verbindungen zu Implantica. Eine unabhängige Studie existiert nicht. In Österreich läuft eine kontrollierte Studie an der Medizinischen Universität Wien, deren Ergebnisse noch ausstehen.
Implantica positioniert RefluxStop aktiv als Nachfolger des LINX-Implantats, das J&J vom europäischen Markt genommen hat. Das Muster erinnert an LINX: herstellerfinanzierte Studien, keine unabhängige Validierung, aggressives Marketing. Ob RefluxStop langfristig besser abschneidet als LINX, wird sich zeigen.
In Deutschland wird RefluxStop u.a. am Medizin Campus Bodensee (Friedrichshafen, 100+ Eingriffe) und am Universitätsklinikum Magdeburg angeboten.
| RefluxStop | Fundoplicatio | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Silikonimplantat am His-Winkel | Magenmanschette |
| PPI-frei (5 Jahre) | 98% (sehr kleine Datenbasis) | ~80% |
| Nebenwirkungen | Bisher gering: 2% Schluckprobleme, 0% Aufstoßprobleme (wenig Daten) | Blähbauch 24-31%, Schluckprobleme 1,5-4,4% |
| Langzeitstudiendaten | 5 Jahre | 20+ Jahre |
| Datenlage | 50 Patienten, herstellerfinanziert | Hunderte Studien, vermutlich 1 Million+ OPs weltweit |
| Verfügbar in Deutschland | Ja (wenige Zentren) | Ja |
ARMS (Anti-Reflux Mucosectomy) - in Deutschland nicht verfügbar
Bei ARMS wird Schleimhaut am Mageneingang endoskopisch abgetragen. Die entstehende Narbe verengt den Mageneingang. Entwickelt 2014 in Japan.
Kurzfristig sprechen etwa 78% der Patienten an. Langfristig sinkt die Wirksamkeit auf 68%, nur 42% kommen ohne Säureblocker aus, und 23% brauchen eine erneute Behandlung. Das Komplikationsrisiko ist hoch: 8% Verengung der Speiseröhre, 8% Schluckprobleme, 3% Blutungen. In Deutschland nicht angewandt.
GERDX Endoplikatio
Ein in Bayern hergestelltes endoskopisches Gerät (G-SURG GmbH), das Klammernähte durch die gesamte Magenwand setzt, um eine Falte am Mageneingang zu erzeugen. Etwa 10 Kliniken in Deutschland bieten es an, insgesamt wurden weltweit nur wenige hundert Eingriffe durchgeführt.
Das Verfahren sieht vom Ablauf her für mich ähnlich wie die oben besprochene TIF Prozedur aus, auch wenn die für das Marketing verwendeten Worte nicht von einer Fundoplicatio sprechen, wie das bei TIF der Fall ist.
Kurzfristig vielversprechend (63-97% Verbesserung in einer kleinen Studie mit 70 Patienten). Nach 5 Jahren allerdings 55% Versagen: 25% brauchten doch eine Fundoplicatio, 40% nahmen wieder Säureblocker.
Ich bin nicht sicher, ob GERDX derzeit noch irgendwo durchgeführt wird.
MUSE
Ein endoskopischer Klammernahtapparat, der Titanklammern am Mageneingang setzt. Ursprünglich von Medigus (Israel) entwickelt, FDA-zugelassen und CE-zertifiziert. Das Unternehmen hat sich 2024 umbenannt und die MUSE-Rechte Anfang 2026 an SciSparc Ltd. verkauft, die eine Weitervermarktung planen.
Studiendaten (72 Patienten, 6 Monate): 65% ohne Säureblocker. Nach 4 Jahren: 69%. Allerdings traten in 4,4% der Fälle lebensbedrohliche Komplikationen auf (Speiseröhrendurchbrüche).
Ich bin nicht sicher, ob MUSE derzeit noch irgendwo durchgeführt wird.
EndoStim - nicht mehr verfügbar
Elektrische Stimulation des Schließmuskels mittels eines Implantats. Der Hersteller ging 2019 in Konkurs, bevor eine kontrollierte Studie abgeschlossen werden konnte. Gescheitert. Wird nicht mehr angeboten.
Was ist mit Stillem Reflux?
Wer diesen Artikel mit Stillem Reflux liest, wird feststellen: Fast alle Daten beziehen sich auf klassischen Speiseröhrenreflux mit Sodbrennen. Für Stillen Reflux gibt es bei den anderen Verfahren kaum Daten. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Stiller Reflux ist als eigenständiges Krankheitsbild erst in den letzten zwei Jahrzehnten stärker in den Fokus gerückt. Das ist nicht viel Zeit im Vergleich zur Geschwindigkeit, in der die medizinische Forschung läuft. Selbst bei der Fundoplicatio, dem am besten erforschten Verfahren, ist die Datenlage für Stillen Reflux deutlich dünner als für klassischen Reflux.
Bei den herstellerfinanzierten Studien zu diesen Verfahren kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Unternehmen wählen die Endpunkte, die ihr Produkt am besten aussehen lassen. Die Ergebnisse bei Stillem Reflux sind generell schlechter als bei klassischem Reflux. Es gibt wenig Anreiz, diese Zahlen prominent zu veröffentlichen, wenn man Investoren und Chirurgen überzeugen will.
Dazu kommt ein grundsätzliches Problem: Stiller Reflux lässt sich nicht zuverlässig diagnostizieren. Ein Teil der Patienten, die mit der Diagnose "Stiller Reflux" in eine Studie aufgenommen werden, hat möglicherweise gar keinen Reflux als Ursache seiner Symptome. Bei diesen Patienten kann keine OP helfen. Das drückt die Erfolgsraten in Studien nach unten. Wählt man andererseits nur die idealen Kandidaten aus, bei denen der Reflux absolut zweifelsfrei nachgewiesen ist (was untypisch bei Stillem Reflux ist), sind die Ergebnisse besser, spiegeln aber nicht wider, was ein typischer Patient erwarten kann.
Meine Einschätzung
Die Fundoplicatio ist der Goldstandard. Sie hat weitaus mehr Daten als alle anderen Verfahren zusammen. Wer über eine Reflux-OP nachdenkt, sollte sie als Ausgangspunkt nehmen.
Generell ist ein kritischer Faktor bei jeder OP, wie viele Operationen der Chirurg bereits gemacht hat. Jedes neue Verfahren hat Schwierigkeiten, alleine gegen diesen Erfahrungsfaktor anzukommen. Zudem ist die Fundoplicatio nicht eine einzige bestimmte Technik, sondern eine Gruppe von Operationen, die seit 70 Jahren immer weiter optimiert wurden.
Gleichzeitig hat die Fundoplicatio Nachteile: Blähbauch, Schluckprobleme, die Unfähigkeit aufzustoßen. Verfahren wie BICORN, die versuchen, diese Nebenwirkungen zu vermeiden, verfolgen ein nachvollziehbares Ziel.
Was mich skeptisch macht, sind Verfahren, die von Geräteherstellern getrieben werden. LINX ist das beste Beispiel: kein besseres Ergebnis als die Fundoplicatio, mehr Nebenwirkungen, dünne Langzeitdaten, und in Europa vom Markt genommen. Das Muster wiederholt sich: Ein Unternehmen vermarktet ein Gerät, finanziert die Studien, die erstmal vielversprechend sind, aber die unabhängige Validierung bleibt aus. Mit der Zeit zeigen sich dann die Probleme, für die dann aber keine neuen unabhängigen Studien existieren.
Wie du im Artikel gesehen hast, gibt es auch etliche Verfahren, die zunächst angeboten wurden, dann aber wegen schlechten Resultaten vom Markt verschwunden sind. Oftmals wurden diese Verfahren aggressiv vermarktet und als bessere moderne Alternativen an den Patienten gebracht. Das sollte als Warnung gelten, auch mit anderen, neuen Operationsmethoden vorsichtig zu sein.