Sodbrennen in der Schwangerschaft

Neben allgemein bekannten Schwangerschaftsbeschwerden wie morgendlicher Übelkeit oder Rückenschmerzen leiden schwangere Frauen oft unter Sodbrennen. Im Rahmen von wissenschaftlichen Studien aufgestellten Schätzungen zufolge klagen bis zu 45 % aller Frauen in der Schwangerschaft über Sodbrennen.1

Aber wieso tritt während einer Schwangerschaft überhaupt vermehrt Sodbrennen auf?

Wie eine Schwangerschaft Sodbrennen verursacht

Es gibt mehrere Faktoren, die Sodbrennen in der Schwangerschaft begünstigen.

All diese Faktoren wirken in der ein oder anderen Weise auf die Ösophagussphinkter, die du dir wie Ventile am oberen und unteren Ende der Speiseröhre vorstellen kannst. Diese Ventile müssen sich im richtigen Moment öffnen oder schließen: Sie sollen Nahrung von oben nach unten in Richtung Magen durchlassen, aber umgekehrt sauren Reflux aus dem Magen zurückhalten. Sie zählen somit zu den wichtigsten Refluxbarrieren.2

Wenn diese Ventile dem Reflux nicht standhalten können und das saure Gemisch die Speiseröhre regelmäßig reizt, wird das Innere der Speiseröhre empfindlicher und Sodbrennen entsteht.

In der Hauptsache zeigen sich dafür folgende Umstände verantwortlich:

Hormonelle Veränderungen

Während einer Schwangerschaft treten große hormonelle Veränderungen auf und diese Hormone können auf die Ösophagussphinkter wirken. Das Hormon Progesteron, das während einer Schwangerschaft in erhöhtem Maße vorhanden ist, sorgt beispielsweise dafür, dass sich der Sphinkter am unteren Ende der Speiseröhre, der sogenannte untere Ösophagussphinkter (UÖS), entspannt.3 Wenn die Spannung der Muskeln im Inneren des Sphinkters nachlässt, kann dieser dem Reflux, der von unten Druck ausübt, nicht mehr ohne Probleme standhalten.

Deplatzierung des unteren Speiseröhrenventils

Da das Ungeborene auf den Magen drückt, kann sich die Position des Magens und der Speiseröhre verändern. Dadurch rutscht auch der untere Ösophagussphinkter etwas nach oben.4 Dieser wird normalerweise mechanisch durch das Zwerchfell unterstützt.5 Wenn sich der Sphinkter allerdings nach oben verschiebt, liegt das Zwerchfell nicht mehr auf gleicher Höhe, sondern etwas unterhalb, wodurch diese Unterstützung wegfällt.

Erhöhter Magendruck

Wie bereits beschrieben, übt das Ungeborene je nach Position Druck auf den Magen aus, wodurch der Magendruck und somit die Kraft ansteigt, die von unten auf den unteren Ösophagussphinkter wirkt.4

Behandlung von Sodbrennen in der Schwangerschaft

Bei Frauen, die vor der Schwangerschaft kein Sodbrennen hatten, verschwinden die Beschwerden nach der Schwangerschaft meist von selbst.

Folgende Ansätze können außerdem helfen, Sodbrennen in der Schwangerschaft unter Kontrolle zu bringen:

Weitere Risikofaktoren meiden

Bei Sodbrennen kommen meist mehrere Faktoren zusammen, die Reflux begünstigen oder erst in Kombination Reflux auslösen. Eine Schwangerschaft ist ein solcher Risikofaktor und die Vermeidung weiterer Auslöser kann deshalb helfen, Reflux in der Schwangerschaft zu reduzieren.

  • Ernährungsbedingte Risikofaktoren: Bestimmte Lebensmittel, wie fettreiche Speisen oder Kaffee und Schokolade, gelten als Refluxtrigger.6,7,8 Sehr saure Lebensmittel, wie Zitrusfrüchte und Fruchtsaft, können die Symptome zudem verstärken, da die Säure aus der Nahrung die Speiseröhre zusätzlich reizt.9
  • Medikamentöse Risikofaktoren: Bestimmte Medikamente, wie beispielsweise die Schmerzmittel Ibuprofen und Aspirin, begünstigen Reflux, indem sie auf den UÖS wirken.10

Medikamentöse Behandlung

Um akute Beschwerden zu lindern, können bei Bedarf Antazida eingenommen werden, die den Magensaft weniger sauer machen. Dadurch wird die Säure verringert, die die Speiseröhre reizen kann, und die Symptome werden gelindert. Wenn Antazida allein nicht wirken, können sie zusammen mit H2 Rezeptor Antagonisten eingenommen werden.4

Sodbrennen, das nach der Schwangerschaft nicht verschwindet

Wenn die Beschwerden bereits vor der Schwangerschaft bestehen, ist es wahrscheinlich, dass die Symptome durch die Schwangerschaft noch verstärkt werden. Dass kann sogar so weit führen, dass eine Schwangerschaft als zusätzlicher Refluxauslöser zu einer chronischen Entzündung der Speiseröhre führen kann. Sollte dies der Fall sein, sind auch nach der Schwangerschaft konsequente Maßnahmen notwendig, um das Sodbrennen einzudämmen.

Dieser Artikel über die Behandlung von chronischem Sodbrennen geht näher darauf ein.


Quellen

1. Audu BM, Mustapha SK. Prevalence of gestrointestinal symptoms in pregnancy. Nigerian journal of clinical practice. 2006;9(1):1-6. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16986280. Accessed March 12, 2020.

2. Hershcovici T, Mashimo H, Fass R. The lower esophageal sphincter. Neurogastroenterology & Motility. 2011;23(9):819-830. doi:10.1111/j.1365-2982.2011.01738.x

3. Fisher RS, Roberts GS, Grabowski CJ, Cohen S. Inhibition of lower esophageal sphincter circular muscle by female sex hormones. American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism. 1978;234(3):E243. doi:10.1152/ajpendo.1978.234.3.E243

4. Vazquez JC. Heartburn in pregnancy. BMJ clinical evidence. 2015;2015. doi:10.1136/bmj.285.6334.61-b

5. Kahrilas PJ. The role of hiatus hernia in GERD. Yale Journal of Biology and Medicine. 1999;72(2-3):101-111.

6. Nebel OT, Castell DO. Inhibition of the lower oesophageal sphincter by fat a mechanism for fatty food intolerance. Gut. 1973;14(4):270-274. doi:10.1136/gut.14.4.270

7. Thomas FB, Steinbaugh JT, Fromkes JJ, Mekhjian HS, Caldwell JH. Inhibitory effect of coffee on lower esophageal sphincter pressure. Gastroenterology. 1980;79(6):1262-1266. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7002705. Accessed February 6, 2020.

8. Murphy DW, Castell DO. Chocolate and heartburn: evidence of increased esophageal acid exposure after chocolate ingestion. The American journal of gastroenterology. 1988;83(6):633-636. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3376917. Accessed January 30, 2020.

9. Festi D, Scaioli E, Baldi F, et al. Body weight, lifestyle, dietary habits and gastroesophageal reflux disease. World Journal of Gastroenterology. 2009;15(14):1690. doi:10.3748/wjg.15.1690

10. RUSZNIEWSKI P, SOUFFLET C, BARTHÉLÉMY P. Nonsteroidal anti-inflammatory drug use as a risk factor for gastro-oesophageal reflux disease: an observational study. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2008;28(9):1134-1139. doi:10.1111/j.1365-2036.2008.03821.x