Warum Kaffee und Schokolade Sodbrennen verursachen

Kaffee und Schokolade sind beliebte Genussmittel, die für viele Menschen zum Alltag gehören. Leider zählen sie gleichzeitig zu den refluxauslösenden Nahrungsmitteln mit Sodbrennen als typischem Symptom.

Kaffee und Schokolade wirken auf die Speiseröhrenventile

Als Genussmittel enthalten Kaffee und Schokolade bestimmte Substanzen, die auf die Ösophagussphinkter am oberen und unteren Ende der Speiseröhre wirken. Die Ösophagussphinkter deines Körpers kannst du dir wie Ventile vorstellen, die sich exakt im richtigen Moment öffnen müssen, um Nahrung auf dem Weg in den Magen durchzulassen. Gleichzeitig sollten sie sich nicht öffnen, wenn Reflux von unten aufsteigt. Sie stellen eine wichtige Refluxbarriere dar.

Die erste Barriere gegen Reflux ist der sogenannte untere Ösophagussphinkter (UÖS), der am unteren Ende der Speiseröhre knapp oberhalb des Magens sitzt.1

Kaffee: Koffein ist nicht der Hauptübeltäter

Das Trinken von Kaffee verringert die Spannung der Sphinkter, die in Folge dem Druck aus der Magengegend schneller nachgeben.2

Trotz umfangreicher Untersuchungen konnte die Wissenschaft bislang nicht eindeutig bestimmen, welche Inhaltsstoffe im Kaffee sich für diesen Effekt verantwortlich zeigen.

Meist vermuten die Menschen, es wäre das Koffein im Kaffee, welcher den Reflux auslöst. Ganz einfach, weil das die prominenteste Substanz im Kaffee ist.3 Doch entkoffeinierter Kaffee verursacht ebenfalls Reflux, wenngleich in deutlich geringerem Maße.4 Insofern sind es möglicherweise andere Substanzen im Kaffee, welche Reflux auslösen.

Übrigens hat Tee kaum Auswirkung auf das Auftreten von Reflux.5 Das schließt Tee mit ein, der Koffein enthält, wie zum Beispiel schwarzen Tee. Dies kann als weitere Bestätigung dafür gesehen werden, dass Koffein nicht allein für den Reflux-fördernden Effekt von Kaffee verantwortlich sein kann. Falls du morgens Kaffee zum Wachwerden brauchst, könntest du also stattdessen Tee trinken.

Schokolade: Theobromin könnte der Grund für Reflux sein

Bei Schokolade ist es Theobromin, das auf die Ösophagussphinkter wirkt. Dieser Bitterstoff zeigt sich nicht nur für die gesundheitsfördernden Effekte von Kakao verantwortlich, sondern hat auch einen Muskel-relaxierenden Effekt.6 Der Verzehr von Schokolade fördert auch die Entspannung der Muskeln in den Sphinktern.7

Auch in Schokolade ist Koffein vorhanden, was möglicherweise ein Faktor ist, der zur refluxfördernden Wirkung des Genussmittels beiträgt.

Die Menge macht das Gift

Kaffee und Schokolade gehören zu den stärksten Refluxauslösern.

Heißt das im Umkehrschluss, dass du, wenn du Sodbrennen hast, nie wieder Schokolade essen und keinen Kaffee mehr trinken kannst?

Nicht unbedingt, denn jeder reagiert unterschiedlich stark auf verschiedene Refluxauslöser. Manche werden nur leicht auf Kaffee reagieren, andere sehr stark. Insofern muss man selbst ausprobieren, welche Nahrungsmittel für einen selbst den größten Einfluss haben.

Zudem ist natürlich auch immer die Menge eine Frage. Desto mehr Kaffee, oder Schokolade man konsumiert, desto stärker wird der Reflux.

Es macht einen großen Unterschied, ob man nur täglich seinen Morgenkaffee trinkt, oder stündlich während der Arbeit seine Tasse Kaffee braucht.

Gleichermaßen wird ein kleines Stück Schokolade für die allermeisten Menschen kein Problem sein, was bei einer ganzen Tafel schon wieder ganz anders aussehen kann.

Weitere Informationen zu Behandlungsmethoden bei Reflux findest du hier.


Quellen

1. Hershcovici T, Mashimo H, Fass R. The lower esophageal sphincter. Neurogastroenterology & Motility. 2011;23(9):819-830. doi:10.1111/j.1365-2982.2011.01738.x

2. Thomas FB, Steinbaugh JT, Fromkes JJ, Mekhjian HS, Caldwell JH. Inhibitory effect of coffee on lower esophageal sphincter pressure. Gastroenterology. 1980;79(6):1262-1266. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7002705. Accessed February 6, 2020.

3. Lohsiriwat S, Puengna N, Leelakusolvong S. Effect of caffeine on lower esophageal sphincter pressure in Thai healthy volunteers. Diseases of the Esophagus. 2006;19(3):183-188. doi:10.1111/j.1442-2050.2006.00562.x

4. Pehl C, Pfeiffer A, Wendl B, Kaess H. The effect of decaffeination of coffee on gastro-oesophageal reflux in patients with reflux disease. Alimentary Pharmacology and Therapeutics. 1997;11(3):483-486. doi:10.1046/j.1365-2036.1997.00161.x

5. WENDL B, PFEIFFER A, PEHL C, SCHMIDT T, KAESS H. Effect of decaffeination of coffee or tea on gastro-oesophageal reflux. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 2007;8(3):283-287. doi:10.1111/j.1365-2036.1994.tb00289.x

6. Martinez-Pinilla E, Onatibia-Astibia A, Franco R. The relevance of theobromine for the beneficial effects of cocoa consumption. Frontiers in Pharmacology. 2015;6. doi:10.3389/fphar.2015.00030

7. Babka JC, Castell DO. On the genesis of heartburn. The American Journal of Digestive Diseases. 1973;18(5):391-397. doi:10.1007/BF01071988