Reflux ohne Sodbrennen

Weswegen die Behandlung von Stillem Reflux fälschlicherweise oft mit PPI erfolgt

 

In den nächsten Minuten werde ich dir erklären, welche Stiller Reflux Behandlung Betroffenen oft empfohlen wird.

Außerdem wird es darum gehen, weswegen dieser Behandlungsansatz meist 1 zu 1 aus der Standard-Therapie für Sodbrennen übernommen wird.

Desweiteren werde ich dir erklären, warum das der falsche Ansatz ist.

 

Der typische Refluxpatient

„Klassische“ Reflux Betroffene haben normalerweise Sodbrennen.

Die dazugehörige Krankheit heißt GERD, was die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Gastroesophageal reflux disease“ ist.

Im Gegensatz zum Stillen Reflux ist bei GERD vor allem die Speiseröhre von der Krankheit betroffen. Typisches Symptom bei Gerd ist daher Sodbrennen. Stiller Reflux dagegen ist typischerweise ein Reflux ohne Sodbrennen. Daher kommt auch der „Stille“ Teil des Namens.

 

GERD kann effektiv durch Protonenpumpenhemmer (PPI) behandelt werden

GERD wird meistens mit Hilfe von Protonenpumpenhemmern behandelt. Die englische Bezeichnung lautet „Protone Pump Inhibitors“, daher auch die geläufige Abkürzung PPI. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Medikamenten, welche die Säureproduktion drosseln.

GERD Patienten verbessern ihre Symptome mit der Hilfe dieser Medikamente oft sehr schnell.

Daher werden PPI bei Sodbrennen gerne von Ärzten verschrieben.

 

PPI wirken bei Stillem Reflux nicht besser als Placebo

PPI verringern jedoch nur den Säuregehalt des Reflux. Der Reflux selbst findet nach wie vor statt.

Die Pepsine, welche den Schaden beim Stillen Reflux anrichten , sind auch nach wie vor da und werden beim Stillen Reflux in die Atemwege befördert.
Dort können sie durch Säuren in der Ernährung jederzeit wieder aktiviert werden.

In vielen Studien wurde die Wirkung von PPI mit Placebos verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass die PPI nicht besser als Placebo wirken. Das sieht auf den ersten Blick wie ein vernichtendes Urteil gegen den Nutzen von diesen Medikamenten aus.

Trotzdem werden PPI immer noch sehr oft verordnet, wenn jemand Probleme mit Stillem Reflux hat.

Weswegen ist das so?

 

GERD und Stiller Reflux werden über einen Kamm geschert

Zum einen gibt es nicht viel Auswahl bei Stiller Reflux Medikamenten. Effektive Medikamente gegen den Stillen Reflux sind bisher einfach nicht bekannt.

Zum anderen werden GERD und Stiller Reflux oft von Ärzten über einen Kamm geschert – besonders, wenn sie wenig Erfahrung mit dem Stillen Reflux haben.

Der Gedankengang ist dabei folgender: sowohl GERD als auch Stiller Reflux werden gleichermaßen durch Säure verursacht. PPI helfen gegen Säure. Daher sollten die Protonenpumpenhemmer bei Stillem Reflux  genau wie bei Sodbrennen helfen.

Dem ist aber nicht so. Stiller Reflux ist weitaus komplexer. Wie ich in folgendem Artikel erklärt habe, ist Säure nur ein Teil der Stiller Reflux Gleichung.

GERD und Stiller Reflux als das gleiche Problem zu betrachten ist gefährlich und schadet der Erfolgsaussicht der Behandlung.

 

Gefährlicherweise werden PPI auch bei Stillem Reflux als Test eingesetzt

Oft wird mit PPI versuchsweise behandelt. Das heißt man bekommt PPI für 2-4 Wochen verschrieben. Der Gedanke ist: wenn die Symptome besser werden, hat man Reflux. Wenn nicht, dann hat man etwas anderes.

So ein Test ist einfach und billig. Daher werden Protonenpumpenhemmer häufig als Versuch verordnet.

GERD Patienten sprechen auf PPI schnell an und das Sodbrennen wird besser. Die Vermutung ist bestätigt. Daher kommt die gute Erfahrung von Ärzten mit solchen Tests.

Bei Refluxproblemen ohne Sodbrennen, sprich Stillem Reflux, ist dagegen der Effekt von PPI, wie schon geschrieben, praktisch bei Null. Zumindest, solange nicht gleichzeitig auch massiv die Ernährung optimiert wird.

Im besten Fall ist der Test mit den PPI einfach sinnlos. Im schlimmsten Fall wird die Vermutung Stiller Reflux verworfen, obwohl in Wirklichkeit genau dort das Problem liegt.

In dem Fall wird dann nach weiteren Ursachen gesucht, obwohl der Grund für die Symptome schon längst gefunden wurde. Das gibt dem Stillen Reflux die Zeit, weitere Schäden am Körper zu verursachen.

Besonders verrückt ist Folgendes: In harten Refluxfällen kann eine Anti-Reflux Operation Sinn machen, z.b. die Fundoplicatio. Jedoch verweigern manche Ärzte ihren Stiller Reflux Patienten die Operation, wenn Patienten nicht auf die PPI angesprochen haben. Das ist natürlich paradox, da somit ein Placeboeffekt als Notwendigkeit für eine Operation angesehen wird.

 

PPI haben trotzdem (noch) ihren Platz in der Stiller Reflux Behandlung

Auch wenn PPI in Studien nicht besser als Placebo abschneiden: sie haben trotzdem derzeit noch einen wichtigen Platz in der Stiller Reflux Behandlung.

Möglicherweise ist das auch immer noch richtig.

Das hört sich Paradox an. Ich habe schließlich eben erst geschrieben, dass PPI nicht besser als Placebo funktionieren.

Das Ding ist: die meisten Studien berücksichtigen nicht, ob und in welchem Ausmaß Patienten ihre Ernährung umgestellt haben.

PPI können bei Stillem Reflux helfen, da sie einen Teil des Stillen Reflux Mechanismus  entfernen. Es gelangt weniger Säure vom Magen nach oben. Das bedeutet auch, dass diese Säure die Pepsine nicht mehr aktivieren kann.

Aber solange nicht aufgehört wird, über die Ernährung Säuren aufzunehmen, sind PPI trotzdem nutzlos. Die Säuren in einer durchschnittlichen Ernährungsweise reichen bereits vollkommen aus, um die Pepsine immer wieder zu aktivieren.

Trotzdem werden PPI von den Ärzten vielen Patienten mit Reflux ohne Sodbrennen wie Tic Tacs verschrieben. Den meisten ist wahrscheinlich nicht bewusst, das der Nutzen ohne Ernährungsumstellung praktisch nicht vorhanden ist. Durch das Facharztchaos dringen die neuesten Erkenntnisse nur langsam in den Praxisalltag vieler Ärzte vor.

Oder ihnen fehlt die Zeit, ihren Patienten viel mehr zu helfen, als ein Rezept auszustellen. Meist wird als Behandlung beim Stillen Reflux einfach ein Rezept für ein PPI ausgestellt und das war es.

 

Stiller Reflux erfordert eine umfangreichere Behandlung

Da es so extrem wichtig ist, betone ich es nochmal: Die Einnahme von PPI ohne deutliche Änderungen im Ernährungsverhalten sind sinnlos.

PPI ändern nichts am Reflux selbst und den nach oben beförderten Pepsinen . Daher kann der Wirkmechanismus  durch PPI alleine nicht durchbrochen werden. Die Pepsine werden nach wie vor immer wieder über die Nahrung reaktiviert.

PPI beeinflussen zudem die Verdauung negativ. Daher kann der Reflux sogar noch verstärkt werden. In der Folge gelangen noch mehr Pepsine in die Atemwege.

Hinzukommt, dass auch zu wenig Säure zu Reflux führen kann. Denn weniger Säure führt zu Ablaufstörungen und langsamerer Verdauung. Das gibt auch dem Reflux größere Chancen aufzutreten. PPI verstärken dieses Problem dann sogar noch.

 

Ob PPI sinnvoll sind, oder nicht, ist unklar

Aufgrund der Probleme, die PPI verursachen können, sowie dem ungeklärten Nutzen, gehen manche Ärzte dazu über, erst einmal eine Behandlung über die Ernährung alleine zu versuchen. Ziel ist es, einen korrekt funktionierenden Verdauungsapparat herzustellen. PPI verschlechtern die Verdauung eher.

Hinzukommt, dass wenn man die säurehemmenden Medikamente irgendwann wieder absetzt, oft die Säureproduktion für eine Zeit lang stärker ist, als zuvor. Das nennt sich Rebound-Effekt. Dadurch werden manche Betroffene quasi “süchtig” nach den PPI.

Durch den Rebound können die Symptome vom Stillen Reflux sich dann noch verstärken. Es können auch Probleme auftreten, die vorher nicht da waren. Zum Beispiel Sodbrennen.

Man kann den Rebound-Effekt teilweise umgehen, indem man die PPI über einen längeren Zeitraum langsam absetzt. Das heißt man reduziert die Dosis schrittweise.

Dabei muss man darauf achten, dass man die PPI Tabletten normalerweise nicht durchbrechen darf, um die Dosis zu verringern. Sie haben nämlich eine Beschichtung, welche sie vor der Magensäure schützen. Der Wirkstoff wird nämlich durch Säure geschädigt. Daher soll die Tablette den Magen unversehrt überstehen und sich erst im Darm auflösen.

Man kann auch andere Medikamente nehmen, welche die überschüssige Säure vom Rebound neutralisieren. Jedoch hilft das oft auch nur teilweise.

Leider kann bisher niemand sagen, was der richtige Ansatz ist: lieber Behandlung von Stillem Reflux mit oder ohne PPI.

Es kann auch niemand sagen, für wen PPI am ehesten geeignet sind. Fakt ist, dass hier nach wie vor eine große Lücke im vorhanden Wissen in der Forschung vorhanden ist.

Es ist ungeklärt, wie hoch der Nutzen von PPI zusammen mit einer deutlichen Ernährungsumstellung ist. Man weiß nur, dass PPI ohne Ernährungsumstellung nicht besser als Placebos funktionieren.

 

Es herrschen Informationslücken, was eigentlich zu sauer für uns ist

Man könnte eine Säuremessung im Hals machen lassen. Wer keinen sauren Reflux hat, für den dürften PPI vermutlich auch keinen Sinn machen. Andererseits sind diese Messungen aber auch nicht komplett akkurat.

Hinzukommt, das ungeklärt ist, ab welchem Säurelevel im Hals es eigentlich ZU sauer wird. Oft wird PH 4 als Grenze festgelegt. Darunter wäre es zu sauer, darüber in Ordnung.

Allerdings macht man es sich damit etwas zu einfach, da Pepsine auch bei einem PH Wert von 5 noch aktiviert werden, wenn auch deutlich weniger als bei saureren Umgebungen.

Diese Informationslücken was PPI angeht sind unbefriedigend, besonders für einen Informationsfanatiker wie mich. Aber wir können daran nichts ändern. Hoffentlich wird es in der Zukunft bessere Studien dazu geben, wie gut PPI in Kombination mit einer Diät funktionieren.

Insofern spielt man hier ein wenig Roulette bei der Entscheidung, ob man PPI nehmen sollte oder nicht.

Ich persönlich habe PPI genommen. Aber ich kann im Nachhinein natürlich nicht beurteilen, ob ich mit PPI schneller gesund wurde, oder ob sie die Probleme vielleicht sogar in die Länge gezogen haben. Denn direkt nach Start der Einnahme der PPI wurde auch mein Reflux stärker und ich hatte oft Probleme mit dem Magen, was zuvor nicht der Fall war.

 

Der Zeitpunkt der Einnahme von PPI ist bei Stillem Reflux wichtiger als bei GERD

Außerdem ist die Dosis und der Zeitpunkt der Dosis von PPI bei Stillem Reflux äußerst wichtig. Gegen Sodbrennen werden die PPI meist in einer einzelnen Dosis vor dem Frühstück eingenommen.

GERD Patienten brauchen nämlich keinen durchgehenden Säureschutz, sondern die Säure in der Speiseröhre muss nur stark reduziert werden. Dann erholt sich meist die Speiseröhre und das Sodbrennen geht zurück.

 

Stiller Reflux Behandlung bedeutet permanenter Säureschutz

Im Gegensatz zu GERD ist beim Stillen Reflux jedoch wichtig, dass ein permanenter hoher Säureschutz gegeben ist.

Denn es reicht vollkommen, wenn die Pepsine nur selten mit Säuren in Kontakt kommen, um hohe Schäden anzurichten.

Daher ist eine Verteilung auf eine morgendliche und eine abendliche Dosis der Medikamente wichtig. Typischerweise 50% der Tagesdosis morgens und 50% abends.

 

Warum eine einmalige Einnahme von PPI nicht genug Schutz bietet

Nach dem Absetzen der PPI dauert es mehrere Tage, bis die Säureproduktion wieder bei 100 Prozent ist.

Daher liegt der Gedanke nahe, dass eine einmalige Dosis der Medikamente am Tag ausreichende lange für einen hohen PH-Wert im Magen sorgen sollte

Dabei vergisst man jedoch, dass die PH Skala logarithmisch verläuft. Das bedeutet, dass PH 4 zehn mal weniger sauer ist, als PH 3 und sogar 100 mal weniger sauer als PH 2.

Das bedeutet, dass selbst wenn der Magen über den Tag hinweg die Säureproduktion nur um wenige Prozent erhöht, dass der PH-Wert bereits deutlich fällt, es also auf der PH-Skala deutlich saurer wird.

Eine zweimalige Einnahme der Medikamente am Tag dagegen sorgt daher für einen stabileren Säurelevel.

Gleichzeitig muss jedoch jede Dosis noch stark genug sein, um wirksam zu sein. Wie viel mg eines PPI das genau sind, hängt vom Wirkstoff ab.

Die meisten Wirkstoffe wirken zwar ähnlich stark, teils gibt es aber auch Unterschiede. Lasst euch diesbezüglich von eurem Arzt beraten.

Wegen den Problemen und dem zweifelhaften Nutzen würde ich PPI ohnehin nicht ohne eine Diagnose bei einem guten Arzt nehmen.

Andererseits ist es gar nicht so einfach, einen passenden Arzt bei Stillem Reflux zu finden.

 

Besser: Frühzeitig eine Behandlung über die Ernährung einleiten

Da die Wirkung von PPI bei Stillem Reflux nicht berauschend ist, nehmen immer mehr Experten von ihnen Abstand.

Zudem kristallisiert sich immer mehr heraus: Ohne eine Umstellung der Ernährung scheinen Säureblocker keinerlei positiven Effekt zu haben.

Denn die Säuren im Reflux sind nur ein Teil des Problems. Die meisten Säuren gelangen über die Ernährung in den Hals. Von dort aus werden sie in geringen Mengen über die Schleimhäute bis an die entferntesten Stellen der Atemwege transportiert. Schluckt man PPI, ändert sich an diesen ernährungsbasierten Säuren nicht das geringste.

Daher empfehlen immer mehr Experten eine umfangreiche Behandlung über die Ernährung. Diese ist effektiver als medikamentöse Therapie und gleichzeitig natürlich.

Leider bekommt man im Praxiszimmer aus Zeitgründen nur sehr simple und unzureichende Unterstützung bei der Ernährung. Oft werden die Empfehlungen dann auch noch falsch umgesetzt, was zu mehr Problemen als Verbesserungen führen kann.

Daher lege ich in meinem Onlinekurs zur Behandlung von Stillem Reflux den Fokus auf die Ernährungstherapie.