Der Stille Reflux Mechanismus

Der Stille Reflux Mechanismus: Initiierung und Reaktivierung

 

Refluxschäden.

Wie entstehen die eigentlich?

Reflux selbst ist erst einmal nicht schlimm. Auch gesunde Menschen haben etliche Male am Tag Reflux.

Erst ein Zusammenspiel von Faktoren löst die Probleme aus. Warum das so ist, werde ich dir hier zeigen.

Denn den Mechanismus von Stillem Reflux zu verstehen, ist essentiell für eine Therapie.

 

Veraltete Ansicht: Stiller Reflux entsteht alleine durch hochschwappende Säuren

Früher nahm man an, dass es sich bei Stillem Reflux schlicht und ergreifend um eine Verätzung durch Säure handelt. Statt der Speiseröhre, wie bei Sodbrennen, würden eben bei Stillem Reflux die Atemwege verätzt.

Die Verätzung der Atemwege alleine durch Säure ist sicherlich möglich. Jedoch haben die meisten Menschen mit Stillem Reflux nicht genug Säure in den Atemwegen, um diese Ursache wirklich plausibel zu machen.

Hinzu kommt, dass die Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) für Symptomfreiheit sorgen müsste. Denn PPI hemmen massiv die Säureproduktion. Entsprechend sollte es eigentlich zu keiner Verätzung mehr durch Säure kommen.

Bei den wenigsten Betroffenen von Stillem Reflux helfen PPI alleine jedoch. Im Gegenteil zeigen die meisten Studien, dass PPI als Stiller Reflux Therapie nicht besser als Placebo funktionieren.

 

Moderne Ansicht: Stiller Reflux entsteht durch Säure + Pepsine

Erst in den letzten Jahren haben sich in der Forschung plausible neue Erkenntnisse ergeben, wie Stiller Reflux eigentlich entsteht.

Säuren sind dabei nur ein Teil der “Reflux Gleichung”. Der andere Bestandteil sind die sogenannten “Pepsine”. Das sind Magenenzyme, welche Proteine verdauen.

Pepsine gelangen beim Reflux aus dem Magen nach oben in Hals und Atemwege.

Nun muss man sich vor Augen führen, aus was unser Körper eigentlich besteht: aus Proteinen. Pepsine verdauen Proteine. Sprich: wir verdauen uns selbst. Unschöne Vorstellung.

Der Magen ist gegen die Pepsine geschützt. Hals und Atemwege jedoch nicht.

 

Pepsine werden durch Säure reaktiviert

Pepsine verlieren außerhalb des sauren Magens mit der Zeit ihre zerstörerische Wirkung. Sobald sie aber in Kontakt mit Säuren kommen, nehmen Sie ihre Arbeit wieder auf. Das heißt, jedes Mal wenn sie in Kontakt mit Säure kommen, werden sie quasi wieder “aufgefrischt”.

Das ist letztendlich auch der Mechanismus des Stillen Reflux. Pepsine können in Hals und Atemwege gelangen. Das ist zunächst nicht weiter schlimm.

Säure kann in geringen Mengen ebenfalls aus dem Magen nach oben gelangen. Das ist auch nicht weiter schlimm. Wir können ja normalerweise sauren Orangensaft trinken, ohne deswegen Probleme zu kriegen.

ABER: beides zusammen, Pepsine + Säure an der gleichen Stelle außerhalb des Magens: das ist schlimm. Denn die Säuren aktivieren die Pepsine. Die Pepsine fangen dann an, Proteine zu verdauen.

Der eigentliche Schaden wird daher beim Stillen Reflux durch Pepsine ausgelöst.
Säure dagegen hat vor allem eine Bedeutung, weil sie die Pepsine reaktiviert.

Wie sieht das nun aus, wenn Pepsine unsere Schleimhäute verdauen?
Es handelt sich einfach um Entzündungen.  Das erklärt dann auch die Symptome des Stillen Reflux. Denn diese basieren alle auf Entzündungen.

Im folgenden Abschnitt will ich dir verdeutlichen, wie diese zwei Elemente, Pepsine und Säuren, beim Stillem Reflux zusammen kommen.

Und zwar passiert das in zwei Phasen:

 

Phase 1: Initiierung (der “eigentliche” Reflux)

Während der ersten Phase wird die Grundlage für den Stillen Reflux gesät.

Während der ersten Phase gelangen Pepsine aus dem Magen nach oben und dorthin, wo sie eigentlich nicht hingehören. Beispielsweise in Hals, Kehlkopf, Lunge, Mund oder Nase.

Das passiert schlicht und ergreifend, indem wir refluxen. Mageninhalt gelangt entweder in flüssiger oder in Gasform nach oben. Beim Stillen Reflux handelt es sich meist um die gasförmige Version vorm Reflux. Weswegen wir überhaupt refluxen, das ist ein Artikel für sich.

Sobald Pepsine dann an die Schleimhäute außerhalb der Atemwege gelangt, kann es sich dort in die Zellen einlagern. Dadurch können die Pepsine auch noch lange Zeit nach dem Reflux „in Bereitschaft“ bleiben.

 

Phase 2: Reaktivierung (der Schaden entsteht)

In der zweiten Phase kommen die Pepsine mit Säuren in Kontakt.
Dadurch werden sie wieder aktiv und fangen an uns zu verdauen. Autsch.

Die Reaktivierung der Pepsine kann auf drei Arten passieren:

Entweder erstens, durch einen weiteren (sauren) Reflux, bei dem Säure aus dem Magen nach oben befördert wird.

Oder zweitens, indem schlicht und ergreifend mit der Nahrung Säure aufgenommen wird. Das passiert wiederum in der Ernährung der meisten Menschen sehr häufig.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: die Aktivierung der Pepsine innerhalb der Schleimhaut. Pepsin wird nämlich nach dem Reflux in die Schleimhäute eingelagert. Dort kann das Pepsin in tiefer liegende Zellschichten wandern, welche ein niedrigeres PH Level als die Oberfläche haben. Diese Schleimhautschichten sind leicht sauer. Daher kann das Pepsin dort aktiviert werden und uns quasi von innen zerfressen.  Jedoch ist die Aktivierung des Pepsins dort nur schwach, da Pepsin umso stärker aktiviert wird, je saurer die Umgebung ist.

 

Säuren aus Essen und Getränken aktivieren Pepsine

Cola beispielsweise hat einen PH-Wert von weniger als 3 –  was ziemlich sauer ist. Genauso sind praktisch fast alle anderen Erfrischungsgetränke, also Fanta, Sprite, Eistee und Co. ähnlich sauer. Die meisten Fruchtsäfte sind ebenfalls sauer, aber weniger als Cola und Co.

Findest du den Geschmack von Orangensaft auch saurer als Cola? Wegen dem hohen Zuckergehalt schmeckt man Säuren oft nicht heraus. Daher nehmen wir Orangensaft (PH~3,8) als saurer war als Cola, obwohl Cola (PH~2,8) in Wirklichkeit mehr Säure hat.

Auch viele Fertigspeisen und Konserven sind sauer, um die Lebensmittel zu konservieren. Durch den Säuregehalt kann man Essen billig haltbar machen, da Bakterien und Co effektiv abgetötet werden.

Nicht immer schmeckt man die Säure dabei heraus. Säure schadet trotzdem immer gleich – egal wie sehr man sie herausschmecken kann.

 

Stiller Reflux Therapie setzt an der Ernährung an

Ungesunde und „moderne“ Ernährungsweisen haben meistens eine besonders hohe Zufuhr an Säuren. Darin wird einer der Hauptgründe gesehen, weswegen Stiller Reflux auf dem Vormarsch ist.

Die meisten Menschen haben über den Tag hinweg eine stetige Zufuhr von Säuren, welche in den Hals gelangen. Sei es durch ein Übermaß an Fruchtsäften, Fertiggerichten oder Dosenfutter. Auch wenn man ins Restaurant geht, bekommt man oft Essen aufgetischt, dessen Zutaten beispielsweise aus der Dose stammen.

Wenn die Probleme erst einmal da sind, reichen aber auch bereits geringe Mengen an Säuren, um den Teufelskreis am Laufen zu halten. Auch bei einer gesunden Ernährungsweise finden sich noch viele Säuren, beispielsweise in den meisten Früchten.

Beim Essen und Schlucken aktivieren die Säuren auch jedes mal die Pepsine, die nun wieder ihren Job aufnehmen: Proteine zu verdauen. Das wiederum löst Entzündungen der Schleimhäute in Hals und Atemwegen aus, wodurch die Symptome des Stillen Reflux verursacht werden.

Für die Therapie von Stillem Reflux ist daher eine Änderung der Ernährung  essentiell.

Man kann so viele säurehemmenden PPI schlucken wie man will.

Wenn man trotzdem über die Ernährung ständig Säuren aufnimmt, dann werden die Pepsine auch weiterhin aktiviert.

Stiller Reflux Onlinetest RSI